Autor: thomas – als admin

  • Energetisches Sanieren: Eine Hülle für Häuser (Das Energiesprong-Konzept)

    (06.08.21, spektrum) , Original : hier

    Exklusive Übersetzung aus Scientific America

    Damit für Strom und Heizen weniger Treibhausgase entstehen, haben die Niederlande eine spezielle Häusersanierung konzipiert. Über alte Gebäude wird eine neue Fassade gestülpt. Willem Marx

    … Arbeiter lassen an der Hauswand eine gedämmte Fassade herabgleiten, die mehr als zwölf Meter breit und ein Stockwerk hoch ist. Das bräunliche Ziegelmauerwerk und die dreifach verglasten Fenster der neuen Fassade passen genau auf die Öffnungen des Gebäudes.

    Durch die alten Fenster und Ziegelwände zog kalte Luft ins Haus und ließ die warme Luft aus dem Inneren entweichen. Ein Großteil der Heizenergie ging so verloren. Die neue Fassade soll das nun verhindern. Sie besteht vor allem aus feuerfestem Schaumpolystyrol. Der Stoff setzt sich aus winzigen Kunststoffperlen zusammen, in die Luft eingeschlossen ist und die so eine dicke Dämmschicht bilden. Außen ist die Wand mit unzähligen dünnen Tonplättchen bedeckt, die Fachleute als Ziegelriemchen bezeichnen.

    Die auf den Millimeter genau vermessene, vorgefertigte Gebäudehülle war im Frühsommer, als ich den Vorort besuchte, zusammen mit einem weiteren Dutzend solcher Fassaden an Häusern in Den Haag angebracht worden. Die Montage stellt eine von vielen Maßnahmen dar, mit denen die niederländische Regierung energetisch ineffiziente Sozialwohnungen in Niedrigenergiebauten umwandeln will – ohne dass dafür Putz von den Wänden geklopft oder ein Dachboden neu ausgebaut werden muss. Dazu werden die Gebäude in eine Art Thermojacke aus Dämmmaterial gehüllt. Auf dem Dach wird ein ebenfalls vorgefertigtes hochisolierendes Leichtbaumaterial samt Solaranlage aufgebracht.

    Warum nicht mehr Menschen ihre Häuser energetisch sanieren

    In Industriestaaten wie den Niederlanden geht ein großer Teil der Treibhausgasemissionen auf Energieverluste in Wohngebäuden zurück. Die Häuser auf die bisherige Art und Weise energetisch zu sanieren und so den Kohlenstoffdioxidausstoß zu verringern, ist oft aufwändig und teuer. Für einen Umbau müssen nicht nur mehrere Handwerker bestellt und die Dämmplatten einzeln angelegt werden, sondern womöglich auch Vorausdarlehen eingeholt werden. All das schreckt Hausbesitzer und Vermieter ab, trotz des langfristigen ökologischen und finanziellen Nutzens.

    Vor etwas mehr als zehn Jahren reagierte die niederländische Regierung auf die negative Klimabilanz des Wohnungssektors. Sie setzte ein gemeinnütziges Programm namens Energiesprong (zu Deutsch »Energiesprung«) auf und investierte zunächst in die Planung. Ingenieure, Bauunternehmer, Baustofflieferanten, Geldgeber, Aufsichtsbehörden und Vermieter sollten ein Konzept erschließen, wie sich Häuser seriell sanieren lassen.

    Das Ergebnis ist ein Verfahren, das in den Niederlanden seither an hunderten Häusern zur Anwendung kam. Zunächst scannt ein Lasergerät automatisch einige Stunden lang die gesamte Außenfassade eines Gebäudes. Die aufgezeichneten Maße werden an eine Fabrik übermittelt. Dort werden Wände, Fenster, Türen und Solardächer im seriellen Fertigbauverfahren hergestellt und passend für jedes Gebäude zusammengefügt. Anschließend transportiert man die fertigen Fassaden und Dächer zum Haus und bringt sie an. In der Folge, so berichten Gebäudeeigentümer und Bewohner, würden die jährlichen Energiekosten auf nahezu null fallen – dank der Solaranlage. Sie speist überschüssigen Strom ins Netz ein. Zumindest im Sommer lassen sich so Kilowatt an den örtlichen Netzbetreiber verkaufen.

    Die durchschnittlichen Kosten für die Nachrüstung der Einfamilienhäuser, bei denen es sich meist um Reihenhäuser handelt, belaufen sich in den Niederlanden auf etwa 70 000 bis 80 000 Euro. Das sei vergleichbar mit routinemäßigen Wartungsausgaben, die nicht zur Energieeinsparung vorgenommen werden. In einem Stadtviertel in Utrecht wurden 2019 ein Dutzend Häuser und etwa 250 Wohnungen seriell saniert. Anschließend sank der Energiebedarf von zirka 225 auf durchschnittlich 50 Kilowattstunden pro Quadratmeter. Was darüber hinaus noch an Energie nötig war, wurde mit Solarstrom abgedeckt.

    Die Einsparungen sind beträchtlich. Einige Hauseigentümer haben sich daher für eine Dämmung à la Energiesprong entschieden, ….

    Die Herstellung der Dämmfassade läuft seriell

    Die Fassaden, die in Den Haag angebracht wurden, hat die Firma RC Panels hergestellt. Das Unternehmen, das östlich der Stadt in Lemelerveld liegt, ist auf die Dämmung von Reihen- und Mehrfamilienhäusern spezialisiert. Die Leiterin der Geschäftsentwicklung Lianda Sjerps-Koomen führt mich durch eine Fabrikhalle von der Größe eines Flugzeughangars und zeigt mir, wie Arbeiter aus verschiedenen Rohmaterialien eine Wandfassade zusammenbauen. Vakuumkräne befördern die Platten auf ein Fließband, wo eine Maschine dann Fenster- und Türöffnungen ausschneidet. Produktionsroboter stanzen zuletzt Ziegelriemchen auf die Fassade.

    Bei Factory Zero, einem anderen niederländischen Unternehmen, haben Ingenieure ein Dachmodul entwickelt, in dem ein Elektroboiler für Warmwasser, eine Wärmepumpe für die Beheizung des Hauses, ein »Smart Meter« (ein intelligentes Messsystem) und ein Solarstromanschluss stecken. Diese Teile werden oft bei einer energetischen Sanierung eingebaut, normalerweise aber Stück für Stück von verschiedenen Bauunternehmen. Die Komponenten müssen zudem auf das jeweilige Gebäude angepasst werden, was entsprechend teuer sein kann.

    Wenn bei Factory Zero eine Bestellung eingeht, dauert es nur einige Tage, bis ein Kran das fertige Modul auf ein Hausdach hievt. Das Unternehmen produziert etwa 1000 Module pro Jahr, pro Montage fallen etwa 13 500 Euro an. Nach Aussage der Firma würde ein vergleichbarer Umbau, bei dem mehrere Handwerker beauftragt werden müssen, fast 30 000 Euro kosten. Allerdings sollten die Kosten noch weiter sinken, wenn in Zukunft mehr Häuser nachgerüstet werden. Das könnte zur Folge haben, dass beispielsweise ganze Gemeinden ihre Bauten im großen Stil nachrüsten lassen und die Dämmung dann innerhalb der regulären Gebäudeinstandhaltung finanzieren könnten.

    Wie Energiesprong zum Erfolg werden soll

    Donal Brown ist Fachmann auf den Gebieten Nachhaltigkeit und Niedrigenergiebau, er leitet die britische Firma Sustainable Design Collective und hat jüngst eine Studie darüber mitverfasst, wie sich das Energiesprong-Konzept auf das Vereinigte Königreich übertragen ließe. Seiner Meinung nach hängt der Erfolg des Konzepts von der massenhaften Produktion ab. Energiesprong sei ein völlig anderes Geschäftsmodell, das auch von Seiten der Politik unterstützt werden müsse. Die niederländischen Stromversorger gestatten dafür den Hauseigentümern, im Sommer den selbst erzeugten Solarstrom ins Netz einzuspeisen, und rechnen das als Kredit an. Wäre dem nicht so, müsste die im Winter verbrauchte Energie bezahlt werden. Außerdem wäre eine neue Gebäudehülle laut Brown nur dann bezahlbar, wenn sehr viele Häuser umgestaltet würden. Damit die Kosten auf rund 45 000 Euro pro Haus sinken, müssten tausende Module zur selben Zeit installiert werden.

    In Deutschland wurde die erste serielle Sanierung im Februar 2021 fertig gestellt. In Hameln bekamen drei Häuser aus den 1930er Jahren eine neue Energiesprong-Fassade. Laut der Deutschen Energie-Agentur seien die Gebäude nun als klimaneutral einzustufen. »Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach erzeugt über das Jahr gerechnet so viel Energie, wie für Heizung, Warmwasser und Strom benötigt wird«, heißt es in einer Pressemitteilung. Sensoren in den Häusern messen den Verbrauch. Ein weiteres Umbauprojekt läuft zurzeit in Köln, und bundesweit gibt es viele Interessenten. So weit wie in den Niederlanden ist man aber freilich noch nicht.

    Im US-Bundesstaat New York hat die Energieforschungsbehörde nun einen Teil ihrer 30 Millionen Dollar für RetrofitNY in einen Wettbewerb investiert. Zunächst sollen Wohngebäude für eine Nachrüstung ausgewählt werden und teilnehmende Unternehmen anschließend für die Gebäude ein kosteneffizientes Sanierungskonzept vorschlagen. Die Geschäftsführerin der Behörde Doreen Harris sagt, sie wolle als eine Art Katalysator wirken, damit mehr Investitionen in die serielle energetische Nachrüstung von Wohnhäusern fließen – auch um zu zeigen, dass dieses Konzept tatsächlich funktionieren kann. Ihr Team hat kürzlich 1,8 Millionen Dollar für ein Projekt frei gegeben, das insgesamt 20 Millionen Dollar benötigt und für das neun Gebäude mit 146 Wohnungen im Stadtteil Bushwick in Brooklyn saniert werden sollen. Der gemeinnützige Eigentümer des Komplexes geht davon aus, dass die Sanierung den Energieverbrauch langfristig um 80 Prozent senken wird – und damit die jährlichen Kosten um zirka 180 000 Dollar zurückgehen werden. Sollte das Projekt erfolgreich sein, entscheiden sich vielleicht mehr Menschen dafür, über ihre Gebäude eine Styroporhülle zu stülpen.


    Tip von Ingo

  • Neuer IPCC Klimabericht in der Presse

    Übersicht

    • (10.08.21, WAZ) , Der Planet schwebt in Lebensgefahr
      • Nicht der Planet schwebt in Lebensgefahr sondern die Menschheit schwebt in Lebensgefahr, die den Planeten zerstört!
      • s. auch Presse-Sammlung und die Leserbriefe
    • (09.08.21, golem.de) , IPCC-Bericht: Die Klimakonferenz in Glasgow soll die Wende bringen
      • Eine schnelle CO2-Neutralität kann die Klimakrise noch abmildern. Die Weltgemeinschaft soll nun in Glasgow konkrete Beschlüsse fassen.
      • Im Kampf gegen die Erderwärmung setzen Wirtschaft und Politik auf die nächste Weltklimakonferenz. Die Ergebnisse des am 9. August vorgestellten IPCC-Berichts müssten “als klares Signal an die bevorstehende UN-Klimakonferenz im November 2021 in Glasgow gesehen werden, denn wirksamer Klimaschutz kann nur gemeinsam auf internationaler Ebene gelingen”, sagte Kerstin Andreae, Präsidentin des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), am Montag in Berlin.
    • (09.08.21, ORF) , Klimakrise : Einige Folgen bereits „unumkehrbar“
      • Gerade die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Klimakrise werden gerne infrage gestellt. Am Montag hat der Weltklimarat (IPCC) einen umfangreichen Bericht dazu vorgelegt. Einige Kernpunkte: Die Erde erwärmt sich rascher als erwartet, Wetterextreme wie Hitzewellen und starke Niederschläge werden häufiger, die Ursachen dafür seien „eindeutig“ menschengemacht.
    • (09.08.21, taz) , IPCC-Klimabericht: 1,5 Grad sind möglich
      • Der neue Klimabericht ist ein Report über politisches Versagen in historischem Ausmaß. Die Frage ist, was wir als Gesellschaft jetzt daraus machen.
    • (09.08.21, mdr.de) , UN-Klimabericht Klimawandel ist menschengemacht und schlimmer als gedacht
      • Verheerende Brände in Griechenland und der Türkei, eine Hinzewelle in Kanada, Überschwemmungen in Deutschland – all das sind Extrem-Wetterereignisse, die mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht werden. Der Weltklimarat der UN betont jetzt: Die als Ursache ausgemachte Erderwärmung ist zweifelsfrei menschengemacht. Und die Lage ist noch schlechter als angenommen.
      • Weltklimarat: Aktueller Bericht fällt ernüchternd aus
      • Der Klimawandel vollzieht sich schneller und folgenschwerer als bislang angenommen. Das ist das Ergebnis des neuesten Berichts des Weltklimarats (IPCC) Die Erde werde sich bei der derzeitigen Entwicklung bereits gegen 2030 um 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter erwärmen – und damit zehn Jahre früher als noch 2018 prognostiziert, heißt es in dem am Montag in Genf veröffentlichten Bericht.
    • Kerninfos zum Klimawandel in nur 20 Worten:
        • 1. Er ist real.
          • 2. Wir sind die Ursache.
        • 3. Er ist gefährlich.
        • 4. Die Fachleute sind sich einig.
        • 5. Wir können noch etwas tun.
          Deutsche Klima-Konsortium Verband deutscher Forschungseinrichtungen

    • (09.08.21, tagesschau) , Neuer Weltklimabericht: Schnellere Erwärmung, extremere Wetter
      • Der Klimawandel kommt noch schneller als befürchtet, und die Folgen sind schon deutlich sichtbar. Der neue Bericht des Weltklimarates lässt keinen Zweifel an dieser Erkenntnis – und wer dafür verantwortlich ist.
      • “Es ist eindeutig, dass menschliches Handeln die Atmosphäre erwärmt hat.” Dieser Satz lässt nun keine Zweifel mehr. Im vorigen Bericht der Weltklimarates (IPCC) war nur der Wandel selbst als eindeutig beschrieben worden, das menschliche Zutun wurde als “äußerst wahrscheinlich” bezeichnet. Der IPCC macht nun deutlich, dass die Zahlenbasis so gut ist, die Modelle so präzise, dass sich alles andere ausschließen lässt. Diese Sicherheit zieht sich durch den gesamten neuen Sachstandsbericht und durch die Aussagen der beteiligten 230 Hauptautoren.
    • (09.08.21, tagesschau) Hört auf die Wissenschaft!
      • Das Vertrauen der nachwachsenden Generation in die Wissenschaft und der Klimaschutz als Geschäftsmodell – darin liegen Hoffnungen für die Zukunft. Denn der Weltklimabericht hat klar gemacht: Die Zeit rennt wirklich weg.
    • (08.08.21, heise) Klimaschutz: Ministerin Karliczek hält Ende der innerdeutschen Flüge für möglich
      • Inlandsflüge könnten dem Klimaschutz weichen, doch dafür müsste der Bahnverkehr besser werden. Der Flughafenverband kritisiert die Forschungsministerin.
    • (07.08.21, tagesschau) , Moore als CO2-Speicher Vom Klimakiller zum Hoffnungsträger
      • Je nach Zustand sind sie Klimakiller oder Hoffnungsträger: Moore sind ideale CO2-Speicher, doch hierzulande meist trockengelegt und so eine Belastung für das Klima. Ein Pilotprojekt in Brandenburg zeigt einen Ausweg.

    Links zum Klimabericht des IPCC


    Sechster IPCC-Sachstandsbericht – Hauptaussagen :


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    Kommentar von S4F-Bochum

    Verschickt: Mo, 9. Aug. 2021 15:08
    Betreff: [s4f-due] Höher, schneller, weiter – nach dem IOC übernimmt der IPCC

    Hallo zusammen,

    heute veröffentlichte der IPCC den ersten Band “AR6 Climate Change 2021: The Physical Science Basis” [1] zum Sechsten Sachstandsbericht (AR6) [2]. Die Hauptaussagen des Bands gibt es auch auf Deutsch [3] und wie immer eine vollständige Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Englisch) [4]. Darin heißt es u. a. …

    Jede Tonne CO2-Emissionen trägt zur globalen Erwärmung bei. Um möglichst die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu begrenzen, beträgt ab 2020 das globale CO2-Budget noch 400 GtCO2 (67% Wahrscheinlichkeit zur Erreichung des Temperaturziels), besser noch 300 GtCO2 (83% Wahrscheinlichkeit). Wenn weltweit negative Netto-CO2-Emissionen erreicht und aufrechterhalten würden, würde sich der globale CO2-bedingte Anstieg der Oberflächentemperatur allmählich umkehren, aber andere Klimaveränderungen würden sich über Jahrzehnte bis Jahrtausende in ihrer derzeitigen Richtung fortsetzen. So würde es beispielsweise mehrere Jahrhunderte bis Jahrtausende dauern, bis sich der mittlere globale Meeresspiegel selbst bei großen negativen Netto-CO2-Emissionen umkehren würde (hohes Vertrauen).

    Die globale Oberflächentemperatur wird bei allen betrachteten Emissionsszenarien mindestens bis zur Mitte des Jahrhunderts weiter ansteigen. Die globale Erwärmung von 1,5°C und 2°C wird im Laufe des 21. Jahrhunderts überschritten werden, wenn nicht in den nächsten Jahrzehnten eine tiefgreifende Verringerung der CO2- und anderer Treibhausgasemissionen kommt.

    Mit jedem Schritt der globalen Erwärmung werden die Veränderungen bei der regionalen Durchschnittstemperatur, den Niederschlägen und der Bodenfeuchtigkeit größer und Veränderungen bei den Extremen nehmen weiter zu. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Starkniederschlagsereignisse bei einer weiteren globalen Erwärmung in den meisten Regionen zunehmen und häufiger auftreten werden. Das Auftreten einiger Extremereignisse, die bisher noch nie beobachtet wurden, wird bei einer zusätzlichen globalen Erwärmung zunehmen, selbst bei einer globalen Erwärmung von 1,5°C.

    Ein wärmeres Klima wird sehr feuchte und sehr trockene Wetter- und Klimaereignisse und Jahreszeiten verstärken, mit Auswirkungen auf Überschwemmungen oder Dürren, aber der Ort und die Häufigkeit dieser Ereignisse hängen von den prognostizierten Veränderungen der regionalen atmosphärischen Zirkulation ab. Bei einer globalen Erwärmung von 2°C und mehr nehmen die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß der Veränderungen bei Dürren, Starkniederschlägen und mittleren Niederschlägen im Vergleich zu denjenigen bei 1,5°C zu. Starke Niederschläge und damit verbundene Überschwemmungen werden auf den pazifischen Inseln und in vielen Regionen Nordamerikas und Europas voraussichtlich intensiver und häufiger auftreten.

    Während die natürlichen Kohlenstoffsenken an Land und in den Ozeanen den Projektionen zufolge bei höheren CO2-Emissionen in absoluten Zahlen immer mehr CO2 aufnehmen als bei niedrigeren, verlieren sie an Wirksamkeit, d. h. der Anteil der von Land und Ozeanen aufgenommenen Emissionen nimmt mit zunehmenden kumulativen CO2-Emissionen ab. Dies wird voraussichtlich dazu führen, dass ein höherer Anteil des emittierten CO2 in der Atmosphäre verbleibt.

    Aus physikalisch-wissenschaftlicher Sicht erfordert die Begrenzung der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung auf ein bestimmtes Niveau eine Begrenzung der kumulativen CO2-Emissionen, wobei mindestens ein Netto-Nullwert für CO2-Emissionen erreicht werden muss, zusammen mit einer starken Verringerung der anderen Treibhausgasemissionen. Eine starke, rasche und anhaltende Verringerung der CH4-Emissionen würde auch den Erwärmungseffekt begrenzen, der sich aus der abnehmenden Aerosolverschmutzung ergibt, und die Luftqualität verbessern.


    Die Wissenschaftler:innen prognostizieren, dass es aufgrund paläoklimatischer und historischer Belege im 21. Jahrhundert wahrscheinlich ist. dass mindestens ein großer explosiver Vulkanausbruch stattfinden wird. Ein solcher Ausbruch würde die globale Oberflächentemperatur und die Niederschläge, insbesondere über Land, für ein bis drei Jahre reduzieren, die globale Monsunzirkulation verändern, extreme Niederschläge modifizieren und viele klimatische Einflussfaktoren verändern. Ein solcher Ausbruch würde also den vom Menschen verursachten Klimawandel vorübergehend und teilweise überdecken.


    Der Kampf um jedes Zehntel Grad zur Reduzierung des Temperaturanstiegs ist also essenziell.
    C.



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  • CO2-Emissionen bei Stromproduktion: Den Superverschmutzern auf der Spur

    (30.07.21, taz.de) , Original : hier

    For­sche­r:in­nen haben Tausende Kraftwerke untersucht, um herauszufinden, welche besonders viel CO2 emittieren. Eines der schlimmsten steht in Deutschland.

    Auf Platz 7 der Superverschmutzer: Kraftwerk Niederaußem in Pulheim, Nordrhein-Westfalen

    Nur wenige Kraftwerke weltweit emittieren fast drei Viertel der Treibhausgase in der Stromproduktion. Zu dem Schluss kommt eine neue Studie in der Zeitschrift „Environmental Research Letters“. Für die Studie analysierten ForscherInnen an der Universität Boulder 29.000 fossile Kraftwerke in 221 Ländern. Die Daten sind auf dem Stand von 2018.

    Die Studie zeigt, dass die dreckigsten Kraftwerke vor allem in Nordamerika, Europa, Ostasien und China zu finden sind. In einigen Ländern – den USA, Japan, Südkorea, Deutschland und Australien – ist ein Bruchteil der Kraftwerke für 75 bis 90 Prozent der Emissionen verantwortlich, ein ähnliches Ergebnis wie weltweit. Die ForscherInnen berechnen, dass weltweit insgesamt ein Viertel der Emissionen aus der Stromproduktion reduziert würde, wenn die Effizienz der Kraftwerke verbessert würde.

    Umgekehrt zeigt die Studie, dass solche „Superverschmutzer“ kaum in Südamerika, Afrika oder im Pazifik zu finden sind – der Globale Süden damit gemeinhin nicht Teil des Problems ist.

    Unsere Grafik zeigt die 10 Kraftwerke weltweit mit den höchsten Emissionen. Alle zehn werden mit Kohle betrieben und sind nicht nur besonders groß, sondern auch ineffizient im Vergleich zu anderen ähnlichen Kraftwerken im Land. https://datawrapper.dwcdn.net/RrPkV/1/

    Auf Platz 1: Das Braunkohle-Kraftwerk Bełchatów, das etwa 20 Prozent des Stroms in Polen produziert und jährlich mehr Treibhausgase emittiert als die Schweiz. Es soll bis 2036 stillgelegt werden. Auf Platz sieben der Liste findet sich ein deutsches Kraftwerk: die RWE-Anlage Niederaußem in NRW. Laut der Studie ist es um rund 45 Prozent ineffizienter als andere Kohlekraftwerke in Deutschland. Bisher wurde erst ein Block des Kraftwerks mit etwa einem Zehntel der Gesamtleistung stillgelegt. Der letzte Block soll voraussichtlich erst 2038 vom Netz gehen.

    Von den anderen acht dreckigsten Kraftwerken stehen zwei in Indien, drei in Südkorea, und je eins in Taiwan, China und Japan.

    „Eine der Herausforderungen für Kli­ma­ak­ti­vis­t:in­nen ist, zu bestimmen, wer genau für die Klimakrise verantwortlich gemacht werden soll“, sagte Studienautor Don Grant der Nachrichtenwebsite Vice. „Unsere Studie versucht dieses Problem anzugehen, indem sie Superverschmutzer identifiziert.“


    Tip von Ingo

  • Hochwasserschutz: »Verhindern, schützen, anpassen«

    (27.07.21, spektrum.de) , Original : hier

    Hochwasser lassen sich nicht komplett verhindern. Doch man kann die Gefahr senken, sagt Hochwasserschutz-Experte Daniel Bachmann im Interview. Der erste Schritt: sich informieren.
    von Lars Fischer

    Nach den verheerenden Überschwemmungen im Westen Deutschlands gehen die Aufräumarbeiten voran. Doch die Zerstörungen werfen auch die Frage auf, was man gegen solche Katastrophen unternehmen kann. Völlig verhindern kann man solche Ereignisse nicht, erklärt Daniel Bachmann, Professor für Hydromechanik, hydrodynamische Modellierung und Hochwasserrisikomanagement an der Hochschule Magdeburg-Stendal. Er erklärt, wie man zukünftige Hochwasser im Computer berechnet und Gefahrenkarten erstellt, was der Klimawandel für den Hochwasserschutz bedeutet und was man als Privatperson tun kann, um besser vorbereitet zu sein.

    »Spektrum.de«: Welche Arten von Modellen kommen bei der Hochwasservorhersage zum Einsatz?

    Dieser Artikel ist enthalten in Spektrum – Die Woche, 30/2021

    Daniel Bachmann: Wir nutzen für die klassische Hochwasservorhersage eine ganze Modellkette von der Meteorologie bis hin zur Hydrodynamik. Zuerst haben wir die meteorologischen Modelle, die uns den Niederschlag geben. Den lassen wir quasi auf die hydrologischen Modelle fallen, um zu sehen, wie sich der Niederschlag über Hänge in den Tälern sammelt. Aus solchen Berechnungen kann man aber in der Regel schlecht Wasserstände herausziehen, man erfährt vor allem, wie viel Wasser durch die Landschaft fließt.

    Als nächster Schritt folgt ein hydrodynamisches Modell, in dem wir das Wasser den Fluss hinunterlaufen lassen, so dass es sich in der simulierten Landschaft ausbreitet. Und wir gehen in der Forschung inzwischen so weit, dass wir – außerhalb der physikalischen Modellierung – Schäden eines Hochwassers in eine Vorhersage integrieren. Da ist eine Stadt, wer ist gefährdet und was sind die Kosten, wenn da das Wasser in den Straßen steht? Oder der Ausfall von kritischen Infrastrukturen; das ist ein ganz heißes Thema. Die Wasserversorgung hängt von der Stromversorgung ebenso ab wie die Telekommunikation abhängig von Stromversorgung ist, und so weiter.

    Wie funktionieren derartige Modelle?

    Wir nehmen im Prinzip die Topografie sowie die grundlegenden Gesetze der Physik dahinter, etwa die Navier-Stokes-Gleichungen, die Grundgleichungen der Hydrodynamik. Noch niemand hat sie bislang gelöst, deswegen gehen wir numerisch heran. Das erste numerische Modell hat der englische Meteorologe Lewis Fry Richardson 1922 aufgestellt, damals noch mit der Hand berechnet. Er hat mehrere Wochen gerechnet für eine Wettervorhersage von sechs Stunden, und diese war dann auch noch falsch. Aber er hat die Grundlage geschaffen.

    Heute benutzen wir Computer, um die Abflüsse über das Gelände zu modellieren. Und damit können wir auch Strömungen und Überschwemmungen simulieren. Der große Vorteil eines solchen Modells ist, dass ich damit sozusagen spielen kann. Ich kann den Klimawandel einbeziehen, dann lasse ich es noch extremer regnen und schaue, was passiert. Oder ich baue einen Deich ein und beobachte, was sich ändert. Modellierung ist ein sehr wichtiges Werkzeug für uns.

    Die bekannten Gefahrenkarten basieren auf derartigen Berechnungen. Sie lassen sich beliebig erweitern, etwa durch veränderte Wasserstände, wenn eine Flussaufweitung erfolgt, Polder gebaut werden und oder wir Wasser verstärkt speichern und so weiter.

    Wie entstehen Hochwassergefahrenkarten?

    Die Hochwassergefahrenkarten muss jedes Land in Europa erstellen, was seit 2007 in der EU so geregelt ist. Da gibt es gesetzliche Vorgaben, wie das abläuft. Man kann natürlich nicht jeden Graben in Deutschland modellieren. Deswegen sucht man nach gewissen Kriterien, wie historischen Ereignissen und Schadenspotenzial, Risikogewässer in Deutschland heraus. Man hat in dieser Stufe eins zum Beispiel auch Gewässer genommen, für die schon Gefahrenkarten vorhanden waren.

    »Unter normalen Umständen, wenn es kein Hochwasser gibt, sind diese Gefahrenkarten natürlich nicht bei allen so beliebt«

    Anschließend rechnet man drei Szenarien: eines mit hoher Wahrscheinlichkeit, sprich zehn- oder zwanzigjähriges Hochwasser, ein 100-jähriges Hochwasser mit mittlerer Wahrscheinlichkeit und eines das als HQ-extrem bezeichnet wird. Was Letzteres bedeutet, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und ist nicht klar geregelt. Hier in Sachsen-Anhalt ist das ein 200-jähriges Hochwasser ohne Deiche – einfach, um zu sehen, was passieren könnte.

    Wenn diese Gefahrenkarten existieren, was ist dann schiefgegangen?

    Die Erstellung der Karten ist ein zyklischer Prozess, die Karten werden alle sechs Jahre aktualisiert und erweitert. Es kann zum Beispiel passieren, dass so ein Fluss in diesen Karten gar nicht drin war. Das gab es 2017 im Harz mit einem Fluss, der nicht in den Gefahrenkarten enthalten war. Der wurde dann natürlich im nächsten Zyklus der Kartenerstellung mit aufgenommen.

    Jetzt habe ich konkret die Hochwasserkarte von Schuld angesehen, da ist nicht viel blau. Aber: Das ist eine Ferndiagnose, weil ich die Überflutungsflächen nicht kenne. Ich würde dennoch vermuten, dass das Flutrisiko hier unterschätzt wurde. Möglicherweise ist dieses Extremereignis mit einem Wiederkehrintervall von 200 Jahren zu niedrig gewählt worden. Über die möglichen Ursachen möchte ich nicht spekulieren. Vorsichtig gesagt: Unter normalen Umständen, wenn es kein Hochwasser gibt, sind diese Gefahrenkarten natürlich nicht bei allen so beliebt.

    Wie genau sind solche Modelle?

    Ein Modell ist immer nur ein vereinfachtes Abbild der Natur und nicht perfekt. Darin sind Fehler, in den Ansätzen, in den Daten. Wir können und wollen die Natur nicht nachbauen.

    Zudem sind die Randbedingungen der Modelle unsicherheitsbehaftet, je länger man in die Zukunft prognostiziert, desto größer werden auch die Unsicherheiten in den Ergebnissen. Was man in der Hochwasservorhersage machen könnte – aber auch da sind wir im Forschungsbereich –, man kann so genannte Ensemblevorhersagen nehmen: Man rechnet dann nicht nur ein Szenario, sondern mehrere. Zum Beispiel hat der Deutsche Wetterdienst ein Ensemble mit 20 Szenarien laufen, und unter denen gibt es dann maximale und minimale Werte und Mittelszenarien.

    Wie könnte jetzt eine solche Hochwasservorhersage auf Ensemblebasis aussehen? Das meteorologische Modell gibt die Randbedingungen vor, die Regenmengen. Diese fließen in ein hydrologisches Modell, das die Topografie, die Landnutzung und so weiter berücksichtigt.

    Link :
    https://www.youtube-nocookie.com/embed/xvhjf1XDFHE?feature=oembed&showinfo=0
    © AG Flood Risk Management HS-MModellierung des Hochwassers 2021 am Unterlauf der Rur

    Erstellt von der Arbeitsgruppe Flood Risk Management der Hochschule Magdeburg-Stendal.

    Damit transferiere ich den Niederschlag in Abfluss. Aus 20 verschiedenen Niederschlägen erhalte ich 20 Abflüsse, und bei einem gut kalibrierten Modell bleibt die Unsicherheit relativ klein. Der Abfluss wird nun ins hydrodynamische Modell überführt, das schlicht den Naturgesetzen folgt. Am Ende erhalten wir relativ gute Wasserstände. Aber ich denke, wenn es diese Modelle gibt und sie gut gepflegt sind, liegt die größte Unsicherheit in der Meteorologie. Deshalb macht auch eine Ensemblevorhersage durchaus Sinn.

    Was ist mit der kritischen Infrastruktur?

    Bei diesem Thema sind wir ganz neu dabei, daran zu forschen. Ihre Relevanz wurde bei den jetzigen Hochwasserereignissen mehr als deutlich. Aber das hat man auch beim letzten Elbehochwasser 2013 hier in Magdeburg schon gesehen, als das Umspannwerk Rothensee auf Teufel komm raus verteidigt wurde. Alle wussten: Wenn das überflutet wird, fällt nicht nur in der Überschwemmungsregion der Strom aus, sondern auch im ganzen Umland, das eigentlich gar nicht betroffen ist. Bekannt ist das Problem irgendwie, aber es ist noch nicht so ganz durchgedrungen; kritische Infrastruktur und Hochwasserrisikomanagement sind noch zwei unterschiedliche Welten.

    Wir bekommen im Moment auch viele der Daten nicht. Der Katastrophenschutz macht noch relativ viel im Bereich der kritischen Infrastrukturen, aber mit der langfristigen Planung für vorbeugenden Hochwasserschutz hat das wiederum nicht viel zu tun. Und natürlich veröffentlicht man auch nicht so einfach Daten über kritische Infrastruktur. Wie man das in den Griff kriegt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Man muss dabei nicht jeden kleinen Transformator berücksichtigen. Aber die großen Brocken, die bei diesem Hochwasser anscheinend ausgefallen sind, sollte man natürlich erfassen.

    Und der Klimawandel erhöht die Unsicherheit weiter?

    Nein, der Klimawandel bewirkt, dass die Häufigkeit der extremen Ereignisse zunimmt. Der Abfluss, der bisher statistisch gesehen einmal in 100 Jahren auftrat, tritt jetzt vielleicht im Mittel alle 70 Jahre ein. Möglicherweise muss man in die Gefahrenkarten ein eigenes Klimaszenario mit aufnehmen, in dem zum Beispiel ein höherer Abfluss eingesetzt wird. Das wird man überprüfen müssen. Und man muss auch mehr und mehr in die nachhaltige Planung reingehen. Das heißt, dass man nicht nur für den Ist-Zustand plant, sondern für das Jahr 2050 oder 2100, und dann mit Klimazuschlag. Das sind natürlich unsichere Szenarien, die zu berechnen sind, aber das sollte man mitnehmen.

    Wie geht man mit der Situation um?

    Ich denke, dass die Adaption, also die Anpassung an den Klimawandel, wieder stärker in den gesellschaftlichen Diskurs muss. Dass wir nicht nur den Klimawandel verhindern müssen, sondern dass er jetzt schon stattfindet und die Situation verändert. Zum Beispiel werden die Deiche an der Küste bereits mit Klimazuschlag erneuert: Man erweitert die Deichbreite schon so, dass man in zehn Jahren relativ einfach erhöhen könnte.

    »Möglicherweise muss man in die Gefahrenkarten ein eigenes Klimaszenario mit aufnehmen«

    Denn im Klimawandel sind ebenfalls Unsicherheiten vorhanden. Beim Meeresspiegel reichen Prognosen von 20 Zentimeter bis zwei Meter Anstieg. Deswegen ist es clever, robuste Maßnahmen zu machen, die bei Bedarf erweiterbar sind. Bemerkt man, dass die Prognose doch nicht voll zutraf, und ist mit dem Küstenschutz zufrieden, dann kann man das so lassen. Aber wenn der Meeresspiegel schneller und höher steigt, lässt sich das recht schnell berücksichtigen.

    Zum Teil kriegen wir die Anpassung an den Klimawandel also mit vorbeugendem Hochwasserschutz hin. Aber andererseits sind damit auch viele andere Aspekte verbunden. Da ist zum Beispiel das Niedrigwassermanagement, wenn nicht zu viel Wasser da ist, sondern zu wenig wie in den Sommern 2018 und 2019, als die Schifffahrt wegen Niedrigwasser eingestellt werden musste und Kraftwerken das Kühlwasser fehlte.

    Hochwasser wiederum kann Talsperren vor Probleme stellen: Jetzt wurden sie zu voll und mussten abgelassen werden. Lasse ich als Betreiber eine größere Reserve für Extremhochwasser, werde ich im heißen Sommer eventuell gefragt, warum die Talsperre denn so leer ist. Deswegen werden uns Hochwasser und Niedrigwasser immer mehr beschäftigen. Die Wasserwirtschaft wird für den Umgang mit dem Klimawandel ganz zentral.

    Eine wesentliche Frage ist also, bis zu welchen Punkt Schutzmaßnahmen sinnvoll sind?

    Wir müssen natürlich vorbeugenden Hochwasserschutz machen, aber Sie können so viele Maßnahmen machen, wie Sie wollen: Irgendwann werden wieder bei einem Hochwasser Häuser überflutet werden und Menschen betroffen sein. Das muss man ganz klar sagen. Man kann und will sich ja nicht bis zum Ende schützen. Vielleicht könnte man 50 Meter hohe Mauern ans Wattenmeer und an die Flüsse bauen, nur wer möchte das? Es geht darum, die Maßnahmen so zu konzipieren, dass sie ökonomisch, aber auch vor dem Hintergrund der Lebensqualität noch sinnvoll sind.

    Was heißt das konkret?

    Wir werden Maßnahmen implementieren müssen, um Hochwasser zu verhindern, zum Beispiel Entsiegelung, Aufforstung, Speicherung oder Raum für die Flüsse. Wir können uns aktiv schützen, mit Deichen und Mauern zum Beispiel. Aber man kann eben auch eine andere Strategie fahren, um sich anzupassen, zum Beispiel Häuser auf Stelzen oder generell eine darauf ausgelegte Bauweise.

    Ein ganz wichtiger Aspekt bei den Maßnahmen ist ganz sicherlich die Raumplanung. Sie ist der effektivste Schutz vor Hochwasserkatastrophen. Denn der Fluss oder das Meer sind nicht die Bösen, sondern die Leute bauen dort, wo der Fluss einst ausgeufert ist. Sie haben ihn auch oft verengt. Dabei gibt es historisch gewachsene Städte, in denen der Fluss tatsächlich zuvor sichere Bereiche flutet, aber die Menschen haben sich selbst in den Bereich des Flusses gesetzt.

    Heute können wir das nur noch zu einem gewissen Grad ändern, wir wollen und können zum Beispiel Hamburg nicht umsiedeln. In einem gewissen Maß müssen wir das Risiko akzeptieren, das vom Wasser ausgeht. Aber dieses Restrisiko müssen wir managen können. Da brauchen wir Warnsysteme und Notfallpläne, und wir müssen Verhaltensmuster für den Ereignisfall einüben. Ich habe drei Strategien genannt: verhindern, schützen, anpassen.

    Eine weitere Strategie könnte jedoch auch sein, das Wiederaufstehen nach einem Ereignis so leicht wie möglich zu machen. Versicherungen und staatliche Wiederaufbauhilfe sind dabei wichtig. Im Endeffekt wird man nicht jedes Ereignis verhindern können. Wenn es nur um ökonomische Werte geht, können wir es uns vielleicht leisten, das wieder neu aufzubauen. Bei der Elbeflut wurde die Bahnstrecke unterspült, und alle fragten sich: Warum baut die Bahn denn ausgerechnet im Gefahrengebiet wieder neu auf? Aber die Bahn sagt ganz klar: Wenn wir das verlegen, kostet das so viel Geld, dass wir die Bahnstrecke dreimal neu aufbauen könnten.

    Also muss man gucken, welche Schäden man einpreist?

    Das geht natürlich nur bei reinen ökonomischen Schäden. Nicht, wenn es um Menschenleben geht oder auch – da fängt es ja schon bei persönlichen Werten an – das Fotoalbum der Familie oder die Festplatte mit den Kinderfotos zerstört sind. Aber wenn die Leute versichert sind oder es einen Hilfsfond gibt, können die Leute, zumindest ökonomisch gesehen, wieder schneller aufstehen.

    Was macht denn die Privatperson, um sich auf Hochwasser vorzubereiten?

    Im Wasserhaushaltsgesetz von 2009 steht, dass jede Privatperson auch für die Eigenvorsorge verantwortlich ist. Das ist neu. Vorher war Hochwasserschutz eine rein staatliche Sache beziehungsweise wurde so empfunden. Nun werden auch die Bürgerinnen und Bürger vom Gesetzgeber in die Pflicht genommen. Das wissen viele wahrscheinlich noch gar nicht, aber so steht es im Gesetz – was auch richtig ist.

    »Welche Dokumente schnappe ich mir als Erstes? Muss man unbedingt das Kinderfotoalbum im Keller aufbewahren? Wo stelle ich vielleicht mein Auto hin?«

    Wie betreibt man nun diese Vorsorge? Als Erstes würde ich in die Hochwassergefahrenkarte gucken. Informationsvorsorge ist ein ganz wichtiger Aspekt. Ein Reporter hatte mich gefragt: Woher soll ich denn wissen, dass ich in Erftstadt von Hochwasser betroffen bin? Da sage ich doch, Moment, das hat Erftstadt doch schon im Namen – den Fluss Erft. Das muss man sich dann schon klarmachen.

    Natürlich kann man bei Starkregen auch entfernt vom Fluss betroffen sein. Leider sind die Warnkarten für Starkregenereignisse zum Beispiel an Hanglagen oft noch nicht vorhanden. Aber die Hochwassergefahrenkarten sind der erste Schritt. Dann muss man sich Gedanken machen, was ich im Hochwasserfall mache. Welche Dokumente schnappe ich mir als Erstes? Muss man unbedingt das Kinderfotoalbum im Keller aufbewahren? Wo stelle ich vielleicht mein Auto hin? Vielleicht sollte man das auch einfach besser für die Leute zusammenfassen, zum Beispiel in Form eines analogen oder digitalen Faltblättchens: Wie verhalte ich mich bei Hochwasser? Oder man trainiert ab und an das Verhalten bei Hochwasser in Übungen.

    Und letztlich muss man das in einem gewissen Maß mit sich selbst ausmachen; dazu muss man sich der Gefahr natürlich bewusst sein. Das klingt jetzt ein bisschen einfach gedacht für die Opfer, keine Frage, doch man muss das Risiko durch das Wasser bis zu einem gewissen Grad akzeptieren; oder nicht, dann allerdings entsprechende Konsequenzen ziehen. Wenn man aber – im Normalfall – unten am Fluss in den Wiesen steht, dann kann man sich auch sagen: Es ist echt schön, hier zu wohnen. Dafür nehme ich das verbleibende Risiko in Kauf.

    Herr Bachmann, herzlichen Dank für das Gespräch.

    Lars Fischer Lars Fischer ist Chemiker und Redakteur bei »Spektrum.de«.


    Tip von Ingo

  • Komplizierte Regeln für Erneuerbare Energien — Auch Bürokratie belastet das Klima

    (22.07.21, tagesspiegel.de) , Original : hier

    Die Politik bekundet gern, beim Klimaschutz jetzt endlich verstanden zu haben, bremst dann aber bei Details. Das gilt für Windräder wie Photovoltaik. Ein Kommentar. Jakob Schlandt

    Deutschland soll bis 2045 klimaneutral sein, hat die Regierungskoalition beschlossen. Und die EU soll fünf Jahre später folgen. Daran haben manche Klimaaktivisten immer noch zu mäkeln, und man kann tatsächlich trefflich streiten, ob das nun reicht, fast reicht oder doch zu kurz gesprungen ist, weil man die historischen Emissionen nicht miteinbezieht.

    Tatsächlich muss die neue Bundesregierung vor allem ein ganz konkretes Problem anpacken. Vom abgekochten Industrielobbyisten bis zu den Hardlinern der Grünen sind sich in einem alle einig: Wir brauchen mehr erneuerbare Energien, und zwar viel mehr und viel schneller als bisher. Für den direkten Stromgebrauch, aber auch für den Einsatz zur Erzeugung von Wasserstoff als, grob gesprochen, Erdgasersatz.

    Da hilft alles nichts, es geht um die Details. Um die Frage – man blicke auf CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet und die neuen Regeln im von ihm geführten Nordrhein-Westfalen –, welche Abstände Windräder von Wohngebäuden halten müssen. Um die Frage, wie genau sich Windkraft mit Vogelschutz vertragen kann und ob pfiffige neue Vogelwarnsysteme helfen können.

    Besonders bei der naturgemäß recht konfliktarmen Solarkraft – sie verursacht keinen Lärm, versperrt nicht den Ausblick und ist zudem inzwischen günstig – muss die Handbremse gelöst werden. Die gerade zu Ende gegangen Ausschreibung für Photovoltaik (PV) auf Gewerbeimmobilien zeigt, dass deutlich mehr gehen könnte. Da ist zu viel Bürokratie im Spiel. Branchenvertreter kritisieren sowohl, dass der Strom vom Dach nicht selbst verbraucht werden darf, als auch die Bevorzugung großer Anlagen und die kurze Umsetzungsfrist. Innerhalb eines Jahres muss die Anlage laufen.

    Viele Gewerbehallen können kaum eine extradicke Schneedecke tragen

    Für große Anlagen kommt aber nicht jedes Dach infrage. Viele moderne Gewerbehallen sind zu fragil dafür, sie können höchstens eine dicke Schneedecke tragen. Dennoch ist das Potenzial enorm. Experten schätzen, dass erst zehn bis 20 Prozent der wirtschaftlich nutzbaren Dachfläche für PV erschlossen sind. Rechnet man alle Lager-, Logistik- und Produktionshallen mit mehr als 1000 Quadratmetern Gewerbefläche zusammen, kommt man nach Statistiken aus der Immobilienbranche auf eine Dachfläche von 450 Millionen Quadratmetern.

    Es ist ein aktuelles Beispiel unter vielen. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hat gleich mehrfach in seiner Amtszeit signalisiert, er habe beim Klimaschutz jetzt endlich verstanden. Bei den (vermeintlichen) Details bremste er dann aber wieder und wieder. Für die neue Bundesregierung wird es darum gehen, diesen Widerspruch endlich aufzulösen.


    Mehr zum Thema

    Wirtschaftsminister Altmaier im Interview „Klimaschutz darf keine Frage des dicken Geldbeutels werden“ Georg Ismar Miriam Schröder


    Tip von Ingo

  • Klimapolitik und Mobilität: Mit dem Auto das Klima schützen

    (25.07.21, taz.de) , Originalö : hier

    Die Chance für eine bessere Klimapolitik ist da. Die konkreten Auswirkungen müssen den Menschen nur nachvollziehbar erklärt werden.

    Stau auf der A40. Immer noch gilt: lieber mit dem Auto statt mit der Bahn

    Wie konnte das so schiefgehen? Bei der Sonntagsfrage von Forsa hatten die CDU/CSU Anfang April Zustimmungswerte von 21 Prozent und die Grünen 28 Prozent. Drei Monate später lagen die CDU/CSU bei 30 Prozent und die Grünen bei 19 Prozent. Sicher, ein Teil des Absturzes geht auf das Konto des gescheiterten Baerbock-Buchs. Doch Buch und Lebenslauf erklären nicht alles.

    Dabei ist der politische Gegner Armin Laschet eher oberflächlich, verkündet Pyrrhussiege und ändert seine Meinung öfters schon mal. Beispiel: Das verunglückte WDR-Interview mit Susanne Wieseler, der er am Tag der Hochwasserkatastrophe sagte, dass man wegen eines Ereignisses an einem Tag seine Politik doch nicht ändere. Sein Bundesland NRW steht weit schlechter da, als er es anpreist.

    Eine groß angekündigte Ruhrkonferenz sollte den Aufbruch für das Ruhrgebiet auslösen und hat sich in kleinteilige Projektgrüppchen zerlegt. Die Olympia-Bewerbung von NRW ist ein Scherbenhaufen. Das von ihm selbst ausgerufene Elektromobilitätsland NRW läuft hinterher. Der Aachener Hochschullehrer und Rotary-Freund Günter Schuh hatte mit viel Trara und Landesgeldern erst den Streetscooter, dann den e.go und dann Pläne einer Batteriezellenfabrik aus der Taufe gehoben.

    Es waren die Vorzeigeprojekte für Laschet, auf die er mächtig stolz war. Übrig geblieben ist davon so gut wie nichts. Immer wieder hatte die Laschet-Mannschaft versucht, Batteriezellfabriken in NRW anzusiedeln, aber weder Tesla, noch CATL, noch sVolt, noch Farasis, noch Northvolt oder Stellantis bauen Zellen in NRW. Sie haben sich für Grünheide, Erfurt, das Saarland, Bitterfeld, Salzgitter und Kaiserslautern entschieden.

    Elektroautoland NRW blieb Illusion

    Die anderen waren erfolgreich, nur das von Armin Laschet ausgerufene Elektroautoland NRW ist gescheitert. Zufall? Noch im Herbst 2019 war „Fridays for Future“ für Laschet eine Schülerbewegung. Wenig ehrlich erklärte er bei der Flutkatastrophe NRW zum Klimaschutz-Vorreiterland. Im Ländervergleich hat NRW im letzten Jahr 25 Millionen Tonnen weniger CO2 ausgestoßen. Das entspricht einem Drittel des CO2-Rückgangs in Deutschland. Was Laschet verschweigt:

    NRW stößt dreimal so viel aus wie etwa Bayern oder Baden-Württemberg und pro Einwohner das Doppelte von beiden Bundesländern. Ein Großteil der Einsparung ist das Ergebnis der Abschaltung der Steinkohlekraftwerke. Damit hat Laschet wirklich nichts zu tun. Die Verdienste gehen zurück bis auf den früheren Bundeswirtschaftsminister Werner Müller und Ex-Kanzler Gerd Schröder. Gern schmückt sich Laschet mit dem Kohleausstieg. Tatsächlich hat NRW den schnelleren Ausstieg mit verhindert.

    Oberflächlich, sprunghaft und fadenscheinig prangert Laschet geplante Benzinpreiserhöhungen der Grünen an. Dabei weiß er genau, dass die CO2-Besteuerung in Berlin beschlossen wurde. Immerhin erklärt er höhere Treibstoffsteuern für notwendig, aber den Billigflug nach Mallorca definiert er als eine Art Grundrecht. Jeder müsse sich schließlich den jährlichen Mallorca-Flug leisten können. Warum also verlieren die Grünen im Wettkampf mit Armin Laschet?

    Das grüne Wahlprogramm ist ehrgeizig. Aber was bedeutet es für Otto Mustermann, wenn seine Lebenshaltungskosten mit erhöhten CO2-Preisen beängstigend steigen? Das Schlagwort Energiegeld soll es richten. Aber was konkret erhält Mustermann? Allgemeine Aussagen wirken bei staatlichen Abgaben wenig glaubhaft. Dazu kamen die unglücklich verkürzten Interviews, bei denen die Steuer hängen blieb, das Energiegeld aber unter den Tisch fiel. Ähnlich zum Verbot der Inlandsflüge.

    Gegen 48 Millionen Autobesitzer ist nicht zu gewinnen

    Es macht Sinn, nicht die ganze Welt in einem Satz zu erklären, sondern eine Sache in den konkreten Auswirkungen für den Einzelnen nachvollziehbar zu machen. Was erwartet die Autobesitzer von einer grünen Kanzlerin? Es ist unmöglich, eine Wahl gegen 48 Millionen Autobesitzer gewinnen. Sicher macht es Sinn, Radwege auszubauen. Das unterstützen alle. Sicher muss man die Bahn verbessern. Aber jetzt alles auf die Bahn setzen? Das Klimaproblem wird dadurch nicht gelöst.

    Bisher sind Autofahrer von der Bahn wenig begeistert. Wer im Ruhrgebiet Bahn fährt, braucht gute Nerven und ein gefülltes Portemonnaie. Nicht ohne Grund stehen die Menschen lieber im Stau auf der A40. Und die Bahnversprechen sind so alt wie die Republik. Die Hochwasser haben gezeigt, dass es beim Klimawandel fünf nach zwölf statt fünf vor zwölf ist. Alle sind überzeugt, dass wir deutlich mehr tun müssen.

    Alle, außer dem Kanzlerkandidaten der CDU/CSU, der in TV-Interviews verkündet, dass NRW schon viel macht und wir an die Arbeitsplätze denken müssen. Die Chance für eine bessere Klimapolitik ist da. Wir müssen es den Menschen nur sauber erklären und nicht 48 Millionen Dinge wegnehmen, die ihnen wertvoll sind. Mit dem vollelektrischen Auto haben wir die Technik.

    Mittlerweile ist das Angebot groß, die Fahrzeuge sind alltagstauglich, die Preise mit den Förderungen fast auf Verbrennerniveau. Sämtliche Risiken, wie Einbußen beim Wiederverkauf oder nicht geplante Reparaturen, lassen sich mit dem Auto-Abo ausschließen. Alle Voraussetzungen sind erfüllt, um ausschließlich abgasfreie Neuwagen zu verkaufen. Was würde passieren, wenn wir den Preis für Benzin und Diesel einfach verdoppeln, also auf 3 Euro statt 1,50 pro Liter Super erhöhen?

    Drohte dann eine Gelbwestenrevolte wie in Frankreich? Nein, dieses Drohpotenzial kann neutralisiert werden. Die Lösung: Wer heute ein Auto mit Verbrennungsmotor besitzt, bekommt die zusätzliche Treibstoffsteuer zurückerstattet, genießt also Bestandsschutz. Wer sich aber ein neues Benzin- oder Dieselauto kauft, bezahlt den vollen Spritpreis. Als beste Wahl bliebe dann nur das Elektroauto – und zwar ohne komplizierte Bonus-Malus-Rechenspielchen bei der Kfz-Steuer. Die Chancen für die Grünen sind da. Sie müssen sie nur nutzen.


    Tip von Ingo

  • Presse (WAZ u.a.) zum Hochwasser und Klimaschutz

    Sammlung in unserem PresseArchiv : Presse ==> PresseSpiegel zu Bochum
    und bei den Leserbriefen : Presse ==> Leserbriefe

    Leschs Kosmos spezial Klimakatastrophe :

    • (20.07.21, ZDF ) Leschs Kosmos spezial , Trailer
      • Wetterextreme: das neue Normal? – Dramatische Bilder: Bei der Hochwasser-Katastrophe im Westen und Süden Deutschlands haben mehr als 150 Menschen ihr Leben verloren. Werden solche Wetterextreme angesichts der Klimakrise zum Normalfall? Harald Lesch geht in der Sondersendung “Leschs Kosmos Spezial – Wetterextreme: das neue Normal?” den Fragen nach, die sich jetzt stellen. Was ist über die Ursachen der Flutkatastrophe bekannt? Forschende führen viele Wetterextreme wie Kälteeinbrüche, Dürren und Hitzerekorde auf die Veränderung des Jetstreams zurück, einer starken Luftströmung in der oberen Atmosphäre. Denn die steigenden globalen Temperaturen verändern die Dynamik der Atmosphäre. Doch lässt sich genau beziffern, welchen Anteil die Klimakrise an der Entstehung einzelner Wetterextreme hat? Was weiß die Wissenschaft von den künftigen Entwicklungen – und wie können wir uns für die Zukunft zu wappnen?

    Liste diverser Beiträge / Artikel :

    • (17.07.21, bo-alternativ ) Extinction Rebellion setzt ein Zeichen in Gedenken an Opfer der Naturkatastrophe Klimakrise ernst nehmen
      • Um auf die Dringlichkeit der Klimakrise hinzuweisen, veranstaltete Extinction Rebellion am Samstag eine Eilversammlung mit etwa zwanzig Personen vor dem Bochumer Rathaus.
      • Bezug genommen wurde auf eine Kolumne von Claudia Kemfert, Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. In dieser betont sie, dass Katastrophenschutz und Klimaschutz dringend notwendig sind, um Überschwemmungen wie die der letzten Tage vorzubeugen.
    • (16.07.21, FFF ) Jahrhundertunwetter: #KlimakriseIstHier
      • Wer die aktuellen Geschehnisse mit der Klimakrise in Verbindung bringt, muss sich schnell den Vorwurf anhören, es sei pietätslos, weil es das Leid der Betroffenen politisiere. Wann aber werden wir endlich darüber sprechen, dass die Wissenschaft seit Jahren warnt, dass Extremwetterereignisse wie dieses zunehmen werden? Wann werden wir über die Gründe dafür sprechen, dass Extremwettereignisse von Hitzewellen über Wirbelstürme zu Überschwemmungen aktuell häufiger und intensiver werden? Wann werden wir darüber sprechen, was wir tun können, um Menschen zu schützen, damit sie eben nicht das durchmachen, was gerade geschieht?
      • Aktuell sind wir bei ca. 1,2°C durchschnittlicher Erderwärmung. Wir erleben bereits jetzt, dass dies massive Einwirkung auf unsere Umwelt hat. Selbst in den kältesten Regionen der Welt wurden in den letzten Wochen – mal wieder – Hitzerekorde gemessen. Große Gletscher in der Antarktis stehen aktuell kurz vor dem Kipppunkt. Das Abschmelzen des Eis führt auch dazu, dass die Temperaturen an den Polen überproportional steigen und somit der Temperaturunterschied zwischen Nordpol und Äquator geringer wird. Dies wiederum führt dazu, dass Starkwinde, die durch diesen Temperaturunterschied beeinflusst werden, schwächer werden –  der Jetstream nimmt zunehmend ab. Eine gute Erklärung, wie genau das funktioniert, findet ihr hier. Der Jetstream ist auch für die Wetterlage in Mitteleuropa verantwortlich. Wenn er sich abschwächt, bleiben Hoch- oder Tiefdruckgebiete, wie aktuell das Tiefdruckgebiet Bernd, länger an einem Ort, ziehen nicht so schnell weiter. Und es macht eben einen Unterschied, ob eine Region nur kurz Höchsttemperaturen oder starken Regenfällen ausgesetzt ist oder über mehrere Tage hinweg
      • Nichtsdestotrotz antwortet Armin Laschet, Ministerpräsident des stark getroffenen Nordrhein-Westfalen und Kanzlerkandidat der CDU in der aktuellen Stunde des WDR auf die Frage der Journalistin Susanne Wieseler, ob er nun gedenke Klimaschutz ambitionierter voranzubringen, dass man „weil jetzt so ein Tag ist“ nicht die Politik ändere.
    • (15.07.21, bo-alternativ ) BI Grabeland Am Ruhrort zum Hochwasser in Dahlhausen: „Natur liefert fehlendes Klimagutachten“
      • Für die Bürgerinitiative Grabeland Am Ruhrort erklärt Heike Schick: »In Dahlhausen ist die Straße Am Ruhrort diesseits des Bahndamms am schlimmsten vom Hochwasser betroffen.
      • Man kann sich kaum vorstellen, was eine Evakuierung für die Bewohner bedeutet, wenn man es nicht selbst erlebt hat.
      • Bei der Debatte um die Maßnahmen zur Eindämmung der Klimakrise geht es um Menschen, und nicht darum, Investoren einen finanziellen Profit zu verschaffen. Wenn es etwas Positives über den Tag des Hochwassers in Dahlhausen zu sagen gibt, dann ist es die Hilfsbereitschaft unter den Nachbarn.«
    • (19.07.21, heise ) Wie gut ist Deutschland auf die Folgen des Klimawandels vorbereitet?
      • Wissenschaftlern zufolge könnten starke Regenfälle mit verheerenden Folgen, wie in Westdeutschland, in Zukunft häufiger werden. Ist das Land dagegen gewappnet?
      • Nach den Daten des UBA würde ein ungebremster Klimawandel erhebliche Schäden für Natur, Infrastruktur und das Wirtschaftssystem in Deutschland mit sich bringen. Starkregen-Ereignisse haben laut Messner klar gezeigt: Ohne ambitionierten Klimaschutz wird sich die Lage verschlimmern.
      • “Wir müssen jetzt diese nationale Katastrophe national beantworten”, lautet Schulzes Appell. Erst Anfang Juli war das erste bundesweite Beratungszentrum zur Klimaanpassung in Kommunen an den Start gegangen. Es hilft und berät etwa in Pflege- oder Obdachlosenheimen, damit Bewohner bei Höchsttemperaturen im Schatten sitzen können. Unter anderem – denn: Der Anpassungsbedarf ist enorm.
      • Statistisch gesicherte Aussagen über die Starkniederschläge der Zukunft lassen sich laut Umweltbundesamt (UBA) bislang nicht treffen. Klar ist nur: Der Klimawandel ist längst in Deutschland angekommen – und wird nicht wie ein vorübergehendes Wettertief einfach wieder abziehen.
    • (19.07.21, stern ) Warnungen ignoriert? “Monumentales Systemversagen”: Hochwasser-Expertin erhebt schwere Vorwürfe gegen deutsche Behörden
      • Die Flutkatastrophe hat Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nicht so überraschend getroffen, wie bisher angenommen. Denn laut einer britischen Hochwasser-Expertin lagen deutschen Behörden sehr konkrete Warnungen vor.
      • Hätten die Bewohner der vom Hochwasser betroffenen Gebiete gewarnt werden können? Ja, sagt Hannah Cloke, Professorin für Hydrologie an der britischen Universität Reading und eine der Entwicklerinnen des Europäischen Hochwasser-Warnsystems (Efas) der “Sunday Times”. Demnach hätten Satelliten erste Zeichen der drohenden Hochwasser-Katastrophe neun Tage zuvor erfasst.
      • Vier Tage vor den Fluten habe Efas die Regierungen der Bundesrepublik und Belgiens vor Hochwasser an Rhein und Maas gewarnt. 24 Stunden vor der Katastrophe sei den deutschen Stellen nahezu exakt vorhergesagt worden, welche Gebiete vom Hochwasser betroffen sein würden
    • (17.07.21, zeit ) Krisen-Wahlkampf: Bloß nicht ins Wasser stellen
      • Hochwasser, Klimaschutz – wären das nicht Themen für die Grünen? Warum die Partei, allen voran Annalena Baerbock, so zurückhaltend auf die Katastrophe reagiert.
      • Erstens den Opfern helfen, zweitens bessere Vorsorge und Schutz vor Hochwasser, drittens, sagt Baerbock in ZDF, “bei den Klimaschutzmaßnahmen jetzt wirklich oben draufsatteln”.
      • Katrin Göring-Eckardt: “Ich glaube nicht, dass es hilft, wenn jetzt ein Armin Laschet sagt, es muss jetzt schnell gehen mit der Bewältigung der Klimakrise, aber dann wieder nichts macht.”
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  • Studie: Wie Deutschland bis 2035 CO2-neutral werden kann – Wuppertal Institut stellt mögliche Eckpunkte für 1,5-Grad-Ziel vor

    (13.10.20 , Wuppertal Institut , Original : hier )

    • Pressemitteilungen 13.10.2020

    Die Gletscher schmelzen, die Meeresspiegel steigen, Hitzewellen und Starkregen nehmen zu: Die Folgen des Klimawandels sind weltweit sicht- und spürbar und das Zeitfenster zum Handeln verkleinert sich. Um die weltweiten Auswirkungen des Klimawandels deutlich zu begrenzen, muss der Ausstoß von Treibhausgasen auf der Erde drastisch reduziert werden. Die von der internationalen Staatengemeinschaft im Jahr 2015 in Paris beschlossene Vereinbarung gibt das Ziel vor, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius, möglichst aber auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Nun legte das Wuppertal Institut eine Studie mit möglichen Eckpunkten vor, die helfen können, das 1,5-Grad-Ziel bis 2035 zu erreichen. Die Studie zeigt, dass ein klimaneutrales Energiesystem bis 2035 zwar sehr ambitioniert, aber grundsätzlich machbar ist; sofern alle aus heutiger Sicht möglichen Strategien gebündelt werden. Notwendig dafür ist vor allem ein Vorziehen und Intensivieren von Maßnahmen, die in vielen Studien als notwendig beschrieben werden, um Treibhausgasneutralität bis 2050 zu erreichen.

    Um einen angemessenen Beitrag für das Erreichen der 1,5-Grad-Grenze leisten zu können, wird Deutschland bis etwa 2035 auf ein klimaneutrales Energiesystem umstellen müssen. Die Forschenden des Wuppertal Instituts haben in der Studie “CO2-neutral bis 2035: Eckpunkte eines deutschen Beitrags zur Einhaltung der 1,5-°C-Grenze” untersucht, welche Transformationsschritte und -geschwindigkeiten notwendig sind, um dieses Ziel zu erreichen. Die Studie, die das Forscherteam mit finanzieller Unterstützung der GLS Bank für Fridays for Future Deutschland erarbeitet hat, stellten sie heute in Berlin während einer Pressekonferenz vor. Ergebnis der Studie: Ein klimaneutrales Energiesystem bis 2035 ist zwar sehr ambitioniert, aber grundsätzlich machbar, sofern alle aus heutiger Sicht möglichen Strategien gebündelt werden.

    Das im vergangenen Jahr beschlossene Klimaschutzgesetz der Bundesregierung sieht vor, dass Deutschland bis 2050 treibhausgasneutral wird. Dies ist allerdings nicht vereinbar mit einer Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) geht davon aus, dass in Deutschland CO2-Neutralität schon bis etwa 2035 erreicht werden muss, wenn ein angemessener Beitrag zum globalen 1,5-Grad-Ziel geleistet werden soll. Die über CO2 hinausgehenden Treibhausgasemissionen müssen danach ebenfalls sehr schnell sinken. Der SRU legt dabei zugrunde, dass die Pro-Kopf-Emissionen weltweit gleich verteilt werden und Deutschland keinen überproportionalen Anteil beanspruchen darf. Doch wie lässt sich dieses Ziel noch rechtzeitig erreichen? Hierzu versucht die Studie Diskussionsimpulse zu geben.

    “Um eine Chance zu haben, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken, müssten die deutschen Emissionen insbesondere in den kommenden fünf Jahren – und damit vor allem in der nächsten Legislaturperiode – dramatisch abnehmen” mahnt Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertal Instituts.

    “Ein fairer Beitrag zur Einhaltung der 1,5-Grad-Grenze kann nur noch geleistet werden, wenn die kommende Bundesregierung die Transformation des Energiesystems als Kernthema angeht und ihre Politik konsequent auf das Ziel eines klimaneutralen Energiesystems bis 2035 ausrichtet. Ohne schnelle CO2-Emissionseinsparungen und eine Priorisierung von Klimaschutz in allen Politikbereichen dürfte das nicht zu schaffen sein”, betont Dr. Sascha Samadi, Mitautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme am Wuppertal Institut.

    Um das 1,5-Grad-Budget einzuhalten, sind unter der Voraussetzung weltweit gleicher Pro-Kopf-Emissionen CO2-Minderungen von mindestens minus 60 Prozent bis 2025 und mindestens minus 85 Prozent bis 2030 (jeweils gegenüber 1990) erforderlich. Denn entscheidend dafür, die Risiken und Auswirkungen des Klimawandels erheblich verringern zu können, sind die kumulierten Emissionen. Eine gleichmäßige, lineare Minderung bis 2035 ist dafür allerdings nicht ausreichend (siehe Grafik).

    Die Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr und Gebäude im Fokus

    In ihrer Studie untersuchten die Forschenden des Wuppertal Instituts auf der Basis bestehender Energieszenarien und weitergehender Überlegungen, wie sich CO2-Neutralität besonders in den Sektoren Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr und Gebäude bereits bis 2035 umsetzen ließe. Dafür sind aus ihrer Sicht unter anderem folgende Maßnahmen erforderlich:

    In der Energiewirtschaft müssten die Ausbauziele der Bundesregierung von Wind- und Solarenergie insgesamt mindestens 25 Gigawatt pro Jahr betragen – mehr als eine Verdopplung gegenüber den aktuellen Zielen der Regierung.

    • Insbesondere der Ausbau der Windenergie an Land (Onshore) müsse in Schwung gebracht werden ­– hier sind nach Ansicht der Forschenden mindestens 7 oder besser 10 Gigawatt pro Jahr erforderlich.
    • Für ein CO2-neutrales Energiesystem ist Wasserstoff – unter anderem für die Stahlerzeugung – unerlässlich. Bisher sieht die Wasserstoffstrategie der Bundesregierung frühestens 2035 eine Elektrolyse-Leistung von lediglich 10 Gigawatt vor. Für ein klimaneutrales Energiesystem bis 2035 müssten bis dahin allerdings voraussichtlich 70 bis 90 Gigawatt an installierter Kapazität erreicht werden, sofern nicht bereits 2035 klimaneutrale Energieträger in sehr großem Umfang importiert werden können.

    In einigen energieintensiven Industriebranchen erreicht rund die Hälfte der Industrieanlagen in den kommenden zehn Jahren das Ende ihrer vorgesehenen Lebensdauer.

    • Diese Anlagen müssen durch klimaverträgliche neue Prozesse ersetzt werden, zudem müssen bestehende Anlagen bis 2035 auf nicht-fossile Technologien umgestellt werden, sofern sie weiter in Betrieb bleiben sollen.
    • Zusätzlich muss ein Wasserstoff-Pipelinenetz innerhalb weniger Jahre errichtet werden, da Wasserstoff für viele Industriebereiche den zentralen Schlüssel für die Umstellung darstellt.
    • Damit die klimaneutralen Schlüsseltechnologien einen Preisvorteil gegenüber den konventionellen CO2-intensiven Technologien erreichen, muss der CO2-Preis schon kurzfristig deutlich ansteigen.
    • Zum Schutz gegen die Verlagerung von CO2-Emissionen und zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie ist ein effektiver„Carbon-Leakage-Schutz“ notwendig, also Maßnahmen, die vermeiden, dass CO2-intensive Produktionsverfahren in Länder mit weniger strengen Klimaschutzvorgaben verlagert werden. Zentrale Elemente dafür können Instrumente wie Carbon Contracts for Difference, die zielorientiert Preisdifferenzen überwinden helfen, im Verbund mit oder Produkt- beziehungsweise Klimaabgaben sein.

    “Auch, wenn möglicherweise noch Unsicherheiten über die langfristig beste Lösung bestehen, muss der Aufbau der Infrastruktur für eine klimaneutrale Industrie schon heute beginnen. Andernfalls reicht die Zeit für den Umbau gegebenenfalls nicht aus. Daher müssen jetzt Entscheidungen getroffen werden und die Umsetzung sehr schnell beginnen”, betont Dr. Georg Kobiela, ebenfalls Mitautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Zukünftige Energie- und Industriesysteme am Wuppertal Institut.

    Der Verkehr in Deutschland muss für die Zielerreichung CO2-Neutralität bis 2035 erheblich verringert werden. Verantwortlich für den hohen Energiebedarf ist maßgeblich der Auto- und Lkw-Verkehr. Im Vergleich zur Bahn benötigt ein Auto mit Verbrennungsmotor das 4,8-fache an Energie pro Kilometer und Person, ein Lkw sogar das 5,6-fache pro Tonne und Kilometer gegenüber der Güterbahn. Den Verkehr betreffende Schritte sind insbesondere:

    • Konsequente Maßnahmen für Verkehrsvermeidung und -verlagerung
    • Beschleunigte Einführung alternativer Antriebe, vor allem Elektro-Pkw
    • Signifikant höhere CO2-Preise auf fossile Kraftstoffe als zentrales Anreizinstrument
    • Parallel dazu: Abschaffung klimaschädlicher Subventionen wie Steuerbefreiung von Flugbenzin, Dieselprivileg, Dienstwagenprivileg, Subventionen für Regionalflughäfen, bevorzugter Investitionen in Straßenbau und stattdessen beschleunigter Ausbau von öffentlichem Verkehr, Rad- und Fußinfrastruktur.

    Im Gebäudebereich ist eine massive und nie dagewesene Steigerung der energetischen Sanierungsrate auf eine Höhe von etwa 4 Prozent pro Jahr notwendig ­– aktuell liegt die Rate bei lediglich rund 1 Prozent.

    • Für die Steigerung der energetischen Sanierungsrate ist ein umfassender Maßnahmenmix notwendig, der etwa von einer verpflichtenden Sanierung beim Immobilienverkauf oder -erbe über eine wirkungsvolle CO2-Bepreisung bis hin zu einer Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive im Handwerk und beschleunigter Einführung innovativer Verfahren wie industrieller Vorfertigung von Sanierungselementen reicht.
    • Heute liegt der Anteil an installierten fossilen Heizungen noch bei fast 80 Prozent, mit der Zielsetzung CO2-Neutralität müsste schon kurzfristig eine Trendumkehr erfolgen. Spätestens in der nächsten Legislaturperiode müsste die Entscheidung getroffen werden, dass keine neuen fossile Heizungen mehr installiert werden dürfen. Stattdessen sollte der Fokus bei neu eingebauten Heizungen zukünftig auf Wärmepumpen liegen.

    Die skizzierten Szenarien zur Zielerreichung bis 2035 erfordern in allen Sektoren die parallele Umsetzung vielfältiger Maßnahmen. Sie stellen jeweils für sich stehend schon große Herausforderungen dar und erfordern beispiellose politische Anstrengungen. Auch Unternehmen müssen bereit sein und die Möglichkeit haben, den Transformationsprozess mitzugestalten – ohne die globale Wettbewerbsfähigkeit einzubüßen. “Um die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten, ist vor allem aber die breite Zustimmung der Gesellschaft notwendig. Dafür muss der Transformationpfad gerecht ausgestaltet und soziale Aspekte berücksichtigt werden”, betont Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick.

    Pressemitteilung

    Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH

    VisdP: Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, wissenschaftlicher Geschäftsführer
    Kontakt: Christin Hasken, Leitung Kommunikation
    E-Mail: christin.hasken@wupperinst.org


    Weitere Informationen

    Links

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    Pressebilder

    CO2-Emissionspfad
    Die Grafik zeigt den beispielhaften CO2-Emissionspfad zur Einhaltung des deutschen 1,5-Grad-Budgets bis 2035, inklusive des Zielpfads der Bundesregierung. Quelle: Wuppertal Institut auf Basis des Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU), 2020
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    © 2021 Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH


    Tip von Ingo

  • So schnell tickt die CO₂-Uhr

    (von Mercator Research Institute Berlin , Original : hier )

     / Forschung / Verbleibendes CO2-Budget

    So schnell tickt die CO₂-Uhr

    Die CO2-Uhr des MCC veranschaulicht, wieviel CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden darf, um die globale Erwärmung auf maximal 1,5°C beziehungsweise 2°C zu begrenzen. Mit wenigen Klicks können Sie die Schätzungen für beide Temperaturziele vergleichen und sehen, wieviel Zeit im jeweiligen Szenario bleibt.

    Als wissenschaftliche Grundlage für die CO2-Uhr verwenden wir ausschließlich Daten des Weltklimarats IPCC, die den gesicherten Stand der Forschung darstellen. Der IPCC hat seine Abschätzung des verbleibenden CO2-Bugets zuletzt im Herbst 2018 aktualisiert, mit der Vorlage seines Sonderberichts über „1,5 Grad Celsius globale Erwärmung“. Die nächste Aktualisierung der CO2-Uhr wird wahrscheinlich mit Blick auf den Sechsten Sachstandsbericht des IPCC erfolgen.

    Laut dem Sonderbericht zum 1,5-Grad-Ziel (siehe hier, Tabelle 2.2) können, gerechnet ab Ende 2017, noch knapp 420 Gigatonnen (Gt) CO2 in die Atmosphäre abgegeben werden, um das 1,5-Grad-Ziel nicht zu verfehlen. Zugleich wird der jährliche Ausstoß von CO2 – durch Verbrennen fossiler Brennstoffe, Industrieprozesse und Landnutzungsänderungen – auf circa 42 Gt beziffert; rechnerisch entspricht dies 1332 Tonnen pro Sekunde. Bei konstanten Emissionen wäre dieses Budget von jetzt ab gerechnet in weniger als sieben Jahren aufgebraucht. Das Budget von circa 1170 Gt für das Zwei-Grad-Ziel wäre in etwa 25 Jahren erschöpft.

    https://www.mcc-berlin.net/fileadmin/data/clock/carbon_clock.htm?i=3267263

    Die Uhr tickt also weiter und zeigt wie wenig Zeit den politischen Entscheidern bleibt. Als Besucher der MCC-Website können Sie interaktiv nachvollziehen, welche politischen Ziele  welchen Zeitrahmen für konkretes Handeln lassen:

    Links oben wird Ihnen mit einem Klick das Szenario für das 2-Grad-Ziel angezeigt, rechts für das 1,5-Grad-Ziel – in beiden Fällen zeigt die Uhr das noch verbleibende CO2-Budget – und die verbleibende Zeit. Die CO2-Uhr des MCC bezieht sich ausschließlich auf das verbleibende Restbudget für CO2. Aber bei der Berechnung des Restbudgets wird die Beitrag anderer Treibhausgase zur Erderwärmung im Voraus abgezogen.

    Die Idee des CO2-Budgets fußt auf einem nahezu linearen Zusammenhang zwischen den kumulativen Emissionen einerseits und dem Temperaturanstieg andererseits. Aus dem Ablaufen des verfügbaren CO2-Budgets zum Erreichen des 1,5-Grad-Ziels lässt sich indes nicht ableiten, dass sich die Erde dann um 1,5 Grad erwärmt hätte. Dies hängt auch damit zusammen, dass die Reaktion der Emissionen auf die Temperatur erst später sichtbar wird als beim reinen Blick auf die Konzentration der Emissionen in der Atmosphäre. 

    Mit der Aktualisierung der CO2-Uhr des MCC auf Grundlage des IPCC-Sonderberichts geht zugleich eine technische Veränderung einher: Bisher hatte der Weltklimarat die Größe des Budgets in Form von einer geringeren (33 prozentigen), einer mittleren (50 prozentigen) und einer hohen Wahrscheinlichkeit (66 prozentigen) abgebildet. Im Lichte der neuen Erkenntnisse sprechen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nun davon, dass das errechnete Budget von 420 Gt für das 1,5-Grad-Ziel mit 66 Prozent der untersuchten Szenarien erreichbar ist. Damit werden Unsicherheiten verlagert: Weg von der Wahrscheinlichkeit, das Temperaturziel einzuhalten – und hin zu der Wahrscheinlichkeit, dass die Modelle das Ziel einhalten.

    Auch wenn die CO2-Uhr eine präzise Messung der verbleibenden Zeit für aktiven Klimaschutz suggeriert, so bleiben doch viele Unsicherheitsfaktoren bestehen, die sich unter anderem aus unterschiedlichen Definitionen des 1,5°C-Ziels, unterschiedlichen Annahmen über die Klimasensitivität und den Grad der bisherigen Erwärmung sowie der zukünftigen Entwicklung anderer Treibhausgase ergeben. Weiterhin ist der Berechnung zugrunde gelegt, dass die jährlichen Emissionen auf dem Niveau von 2017 verharren, während die neuesten Zahlen zeigen, dass die Emissionen immer noch steigen.

    In einem Interview mit der Züricher Wochenzeitung WOZ hat MCC-Generalsekretärin Brigitte Knopf ausführlich erklärt, wie die CO2-Uhr den Klimawandel veranschaulicht und die Dringlichkeit politischen Handelns anzeigt.

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