{"id":8551,"date":"2021-06-14T10:48:10","date_gmt":"2021-06-14T08:48:10","guid":{"rendered":"https:\/\/boklima.de\/?p=8551"},"modified":"2021-06-14T10:48:11","modified_gmt":"2021-06-14T08:48:11","slug":"till-van-treeck-ueber-freiheit-man-kann-nicht-ganz-deutschland-mit-eigenheimen-zubauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/work.boklima.de\/?p=8551","title":{"rendered":"Till van Treeck \u00fcber Freiheit: &#8220;Man kann nicht ganz Deutschland mit Eigenheimen zubauen&#8221;"},"content":{"rendered":"\n<p>(12.06.21 , zeit.de , Original : <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2021-06\/freiheit-klimaschutz-ungleichheit-gesellschaft-klimakrise-oekonomie-till-van-treeck\/komplettansicht\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> )<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Menschen f\u00fchlen sich nicht frei genug, um auf Konsum zugunsten von Freizeit zu verzichten, sagt der \u00d6konom Till van Treeck. Muss man Freiheit neu definieren? Interview: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/autoren\/P\/Petra_Pinzler\/index.xml\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Petra Pinzler<\/a>\u00a0\u2022 Illustration: <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/autoren\/E\/Annick_Ehmann\/index\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Annick Ehmann<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Till van Treeck<\/strong> ist Professor und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des Instituts f\u00fcr Sozio\u00f6konomie an der Universit\u00e4t Duisburg-Essen<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"%E2%80%9CMan_kann_nicht_ganz_Deutschland_mit_Eigenheimen_zubauen%E2%80%9D_%E2%80%93_Seite_1\"><\/span>&#8220;Man kann nicht ganz Deutschland mit Eigenheimen zubauen&#8221; \u2013 Seite 1<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p><em>Klimakrise, Artensterben, Ozeanverschmutzung: Bisher hat die \u00d6konomie die planetaren Grenzen und damit viele \u00f6kologische Probleme weitgehend ignoriert. Doch das \u00e4ndert sich gerade rasant, Schl\u00fcsselbegriffe wie &#8220;Markt&#8221;, &#8220;Wettbewerb&#8221; oder &#8220;Schulden&#8221; werden neu gedacht und neu bewertet. Das wiederum wird die Spielregeln der Wirtschaftspolitik radikal ver\u00e4ndern. Im Rahmen eines Fellowships bei <a href=\"http:\/\/www.thenew.institute\/redefining-the-possible\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">THE NEW INSTITUTE<\/a> haben wir bei neun f\u00fchrenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern nachgefragt: Wie l\u00e4sst sich die Wirtschaft-Natur-Krise l\u00f6sen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE:<\/strong> Herr van Treeck, im Hamburger Norden sollen bald keine <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/eigenheim\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Eigenheime<\/a> mehr gebaut werden d\u00fcrfen \u2013 um dort die Natur zu sch\u00fctzen. Schr\u00e4nkt das die Freiheit der Menschen unzul\u00e4ssig ein?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Till van Treeck: <\/strong>Es schr\u00e4nkt sicherlich die Freiheit derer ein, die gern ein Eigenheim bauen wollen. Es erh\u00f6ht aber die Freiheit derer, die die Fl\u00e4che und die Materialien vielleicht gern anders verwenden w\u00fcrden \u2013 klimaschonender, kreativer, emanzipatorischer. Statt eines privaten Eigenheims k\u00f6nnten auf dem gleichen Platz vielleicht Wohn- und Gartenanlagen f\u00fcr viele Menschen entstehen. Unterm Strich k\u00f6nnte also durch das Verbot die Freiheit eher zunehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Das sehen viele anders. Die Entscheidung wurde vor ein paar Wochen heftig kritisiert, auch Politikerinnen und \u00d6konomen haben \u00fcber Freiheitsentzug geschimpft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Es gibt nicht &#8220;die&#8221; \u00d6konom*innen. In den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten ist das Nachdenken \u00fcber \u00d6konomie, und damit auch \u00fcber den Freiheitsbegriff, offener geworden, nicht zuletzt als Ergebnis der weltweiten Finanzkrise ab 2007 und der heute immer offensichtlicheren Klimakrise.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Jahrzehnten davor war der <a class=\"\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2021\/05\/wirtschaftsideologie-oekonomie-lehrbuecher-nobelpreis-intellektuelle-elite\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Mainstream der Wirtschaftswissenschaften<\/a> dagegen in einem bestimmten Sinne liberal oder gar libert\u00e4r gepr\u00e4gt, entsprechend eng war das Verst\u00e4ndnis von Freiheit. Und das wirkt bis heute nach. &#8230; <br>Von vielen \u00d6konomen wurde deswegen jeglicher &#8220;Eingriff&#8221; in das Privateigentum mit der Begrenzung von Freiheit gleichgesetzt. Das aber ignoriert einen wichtigen Teil der Wirklichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE:<\/strong> Welchen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Wenn man Privateigentum \u2013 also das Recht an einer Sache \u2013 mit Freiheit gleichsetzt, unterschl\u00e4gt man den Freiheitsentzug derer, die das Recht an dieser Sache nicht haben. Die Freiheit der Eigent\u00fcmer*innen z\u00e4hlt, die der anderen nicht. Oder um bei Ihrem Beispiel zu bleiben: Die Freiheit derjenigen, die sich ein Eigenheim im Hamburger Norden leisten k\u00f6nnen, z\u00e4hlt mehr als die der vielen anderen, die vielleicht gern \u00fcber die Wiese laufen w\u00fcrden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Na ja, ist das nicht in einer Marktwirtschaft in gewissem Ma\u00dfe immer so, die einen haben etwas und es steht ihnen in gewissen Grenzen frei, damit etwas zu tun, und die anderen d\u00fcrfen das eben nicht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Ja, aber man sollte das nicht mit Freiheit verwechseln, denn es stimmt nicht mehr mit dem Wert \u00fcberein, um den es bei dem Begriff geht. Der politische Philosoph Jerry Cohen hat das klar herausgearbeitet, er nennt diese falsche Verkn\u00fcpfung &#8220;die Inkonsistenz des rechtebasierten Freiheitsbegriffs&#8221;: Das Recht an einer Sache wird f\u00e4lschlich mit der Freiheit gleichgesetzt und die Unfreiheit derjenigen, die davon nichts haben, wird unterschlagen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Ein &#8220;Eigenheim f\u00fcr alle&#8221; k\u00f6nnte eine L\u00f6sung f\u00fcr das Problem sein, oder? Jedenfalls ist das die Politik dieser Bundesregierung, die durch das Baukindergeld und andere F\u00f6rdert\u00f6pfe m\u00f6glichst vielen Menschen zu einem eigenen Haus oder wenigstens einer Wohnung verhelfen will.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Ja, eine klassische Antwort auf die Inkonsistenz des rechtebasierten Freiheitsbegriffs ist das Wirtschaftswachstum: Wenn beispielsweise die Menschen, die noch kein Haus haben, auch eines haben m\u00f6chten, m\u00fcssen wir eben mehr bauen \u2013 und so die vermeintliche Freiheit aller erh\u00f6hen. Dieses Prinzip st\u00f6\u00dft aber an Grenzen, wenn es um G\u00fcter geht, deren Angebot sich nicht ohne Weiteres ausweiten l\u00e4sst. Das ist gerade bei Wohnfl\u00e4chen f\u00fcr Einfamilienh\u00e4user in guter Lage und bei intakter Umwelt heute ziemlich offensichtlich. Man kann ja nicht ganz Deutschland mit Eigenheimen zubauen. Wer also eines hat oder baut, nimmt unweigerlich anderen die Freiheit, das auch zu tun. Die Standard\u00f6konomik kennt daf\u00fcr den Begriff der Externalit\u00e4t: Das Handeln der einen hat externe Effekte f\u00fcr andere.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"%E2%80%9CEs_koennen_im_Prinzip_alle_SUV_fahren%E2%80%9D\"><\/span>&#8220;Es k\u00f6nnen im Prinzip alle SUV fahren&#8221;<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Oder \u00fcbersetzt: In einer endlichen Welt k\u00f6nnen nicht immer mehr Menschen in Eigenheimen wohnen.<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Ja, allerdings wird die Sache noch etwas komplizierter durch die sogenannten positionalen G\u00fcter, wie sie der \u00d6konom Fred Hirsch in seinem Buch <em>Social Limits to Growth<\/em> bezeichnet hat. Bei diesen G\u00fctern geht es darum, den eigenen Status in der Gesellschaft zu demonstrieren, da geht es <a class=\"\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/mobilitaet\/2019-09\/suv-debatte-unfall-berlin-verkehrswende\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">beispielsweise um SUV<\/a>.<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE:<\/strong> Verkehrsminister Andreas Scheuer hat k\u00fcrzlich erst gewarnt, die Gr\u00fcnen wollten den Menschen den SUV wegnehmen. Und w\u00f6rtlich hat er gesagt: &#8220;Da geht es um unsere Freiheit.&#8221;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Man k\u00f6nnte zun\u00e4chst tats\u00e4chlich versucht sein zu sagen, es ist Ausdruck von Freiheit, wenn einzelne Leute sich dazu entscheiden d\u00fcrfen, solche riesigen Autos zu kaufen. Sie wollen die Freiheit haben, ihrem Geschmack zu folgen und sich im Stra\u00dfenverkehr sicher zu f\u00fchlen. Doch selbst wenn man ignoriert, wie sehr diese Autos die Umwelt verschmutzen, wird man zugeben m\u00fcssen, dass die Teilnahme dieser Autos am Stra\u00dfenverkehr die Freiheit derer, die kleinere Autos oder Fahrrad fahren oder zu Fu\u00df gehen, reduziert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Wieso?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Die gro\u00dfen Autos brauchen gro\u00dfe Parkpl\u00e4tze, Platz ist aber in St\u00e4dten begrenzt. Parkende SUV nehmen also anderen, kleineren Autos den Platz weg. Schlimmer noch aber ist, dass sie den Menschen, die zu Fu\u00df oder per Rad oder Kleinwagen unterwegs sind, die Freiheit nehmen, bei einem Unfall nicht von riesigen panzerartigen Fahrzeugen &#8220;abgeschossen&#8221; zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Sozialdarwinisten w\u00fcrden sagen: Sollen die sich doch auch ein gro\u00dfes und damit &#8220;sicheres&#8221; Auto kaufen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck:<\/strong> Und schon sind wir mitten in einer absurden Aufr\u00fcstungsspirale. Es k\u00f6nnen zwar im Prinzip <a class=\"\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2017\/16\/suv-ego-respekt-groesse\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">alle SUV fahren<\/a>. Hier liegt ein Unterschied <a class=\"\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/2021-02\/einfamilienhaeuser-anton-hofreiter-die-gruenen-neubau-klima-umwelt\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">zu den Eigenheimen im Gr\u00fcnen<\/a>, f\u00fcr die es einfach nicht genug Platz gibt. Aber es k\u00f6nnen nicht alle \u00fcberdurchschnittlich gro\u00dfe Autos fahren! Letztlich ist der SUV ja vor allem dann sicher, wenn er gr\u00f6\u00dfer und schwerer ist als die Fahrzeuge anderer Verkehrsteilnehmer*innen, wenn also deren Sicherheit geringer ist. Wenn alle so denken, haben am Ende alle gr\u00f6\u00dfere Autos, es gibt weniger Parkfl\u00e4che pro Auto und die Sicherheit im Stra\u00dfenverkehr hat sich nicht oder kaum erh\u00f6ht. Es gibt etliche Beispiele f\u00fcr G\u00fcter, die Gegenstand von positionalem Wettr\u00fcsten zulasten des sozialen Friedens und nat\u00fcrlich auch der Umwelt sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Dass zu viele SUV schlecht f\u00fcr die Umwelt sind, ist klar. Aber warum sind sie auch noch schlecht f\u00fcr den sozialen Frieden? <br>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Das ist eine sehr verk\u00fcrzte Sichtweise, denn viele \u00d6konom*innen tun sich nach wie vor schwer, \u00fcber die Statusdimension des Konsumverhaltens, \u00fcber sogenannte positionale Externalit\u00e4ten, nachzudenken. &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Wieso?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Gerade in besonders &#8220;freiheitsliebenden&#8221; L\u00e4ndern wie den USA muss gute Bildung, eine gute Gesundheitsversorgung, gutes Wohnen auf privaten M\u00e4rkten teuer bezahlt werden: Schon die Wahl des Kindergartens oder der Privatschule f\u00fcrs Kind ist Teil des Statuskonsums und erm\u00f6glicht dem Kind zugleich einen viel besseren Einstieg ins Berufsleben. Wenn die Ungleichheit steigt und die Reichen immer mehr f\u00fcr solche G\u00fcter ausgeben, k\u00f6nnen die Nicht-Reichen das entweder hinnehmen und damit auch ihren sozialen und wirtschaftlichen Abstieg zulassen. Oder sie versuchen, den Reichen nachzueifern, verzichten auf Ersparnisse und Freizeit und arbeiten viel, um bei den gestiegenen Konsumnormen wenigsten ein bisschen mitzuhalten.<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE:<\/strong> Und was hat das nun mit der Klimakrise zu tun?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Bei hoher Einkommensungleichheit gibt es am oberen Ende der Verteilung starke Anreize, sehr viel zu arbeiten, um Karriere zu machen und dadurch weiter zu den Spitzenverdienern zu geh\u00f6ren. Mit diesen Spitzeneinkommen ist ein besonders hoher sozialer Status verbunden, aber eben tendenziell auch ein Konsumstil, der allein aus \u00f6kologischen Gr\u00fcnden nicht verallgemeinerbar ist. Wenn die Mittelschicht ebenfalls viel arbeitet, um mit den Konsumnormen der Reichen mitzuhalten, wird immer mehr produziert, also steigen die CO2-Emissionen. Man k\u00f6nnte auch sagen: Da entsteht ein Arbeits- und Wachstumszwang, weil viele Menschen sich nicht frei genug f\u00fchlen, auf Konsum zugunsten von Freizeit zu verzichten. Weil sie mithalten wollen und mithalten m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"%E2%80%9CEs_gibt_zwei_Wege_die_CO2-Emissionen_zu_senken%E2%80%9D\"><\/span>&#8220;Es gibt zwei Wege, die CO2-Emissionen zu senken&#8221;<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Und was macht das mit den Menschen und der Gesellschaft?<br><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Weil viele Menschen das Gef\u00fchl haben, alles zu geben f\u00fcr ihre Karriere und das Wohl ihrer Familien, steigt die Zahl derjenigen, die mit wenig Freizeit, kaum Ersparnissen und hohen Schulden dastehen. Denn es ist in ungleichen Gesellschaften ja definitionsgem\u00e4\u00df unm\u00f6glich, dass alle oder auch nur viele die beste Bildung erhalten, die sichersten SUV fahren und in der Einkommenspyramide oben stehen. Bei steigender Ungleichheit wird es immer schwieriger mitzuhalten. Frust und sozialer Unfrieden sind da programmiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Wie w\u00fcrden Sie denn Freiheit \u2013 in Zeiten der Klimakrise \u2013 umschreiben?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Es gibt nat\u00fcrlich keine eindeutig richtige Definition von Freiheit. F\u00fcr mich sollte Freiheit bedeuten, dass alle Menschen eine ausgezeichnete \u00f6ffentliche Daseinsvorsorge (kostenlose Bildung, Gesundheit, Mobilit\u00e4t, g\u00fcnstiger Wohnraum) erhalten und dass Vollbesch\u00e4ftigung und eine geringe Ungleichheit herrschen. Das w\u00e4re aus meiner Sicht die Voraussetzung f\u00fcr die \u00dcberwindung der konsumorientierten Kultur mit langen Arbeitszeiten und Streben nach hohen Einkommen. Nebenbei bemerkt w\u00e4re das auch die Voraussetzung f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Gleichheit zwischen den Geschlechtern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Seit die Fridays-for-Future-Bewegung den Begriff &#8220;Generationengerechtigkeit&#8221; bekannt gemacht hat, bekommt Freiheit auch eine zeitliche Dimension. Es wird \u00fcber Freiheit und Klimaschutz diskutiert und die Argumentation lautet dann: Wenn wir heute nicht schneller CO2 einsparen, dann gef\u00e4hrden wir die Zukunft und damit die Freiheit der Kinder. Wie diskutieren \u00d6konomen \u00fcber dieses Problem?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Zun\u00e4chst einmal muss man festhalten, dass die Klimaziele der meisten Regierungen der reichen L\u00e4nder inkompatibel sind mit dem Pariser Klimaabkommen, nach dem die Erderw\u00e4rmung auf deutlich unter zwei Grad begrenzt werden soll. Wenn man sich an Deutschlands Anteil an der Weltbev\u00f6lkerung orientiert und auf dieser Grundlage nationale CO2-Budgets vergibt, bleiben Deutschland vielleicht noch maximal sieben Gigatonnen, wenn man sich an den Berechnungen des Weltklimarates (IPCC) orientiert. Bei j\u00e4hrlichen Emissionen von zuletzt circa 800 Megatonnen, k\u00f6nnen wir noch neun Jahre so weitermachen, bis unser Budget aufgebraucht ist. Wenn wir sofort anfangen, die Emissionen linear abzusenken, m\u00fcsste Klimaneutralit\u00e4t Mitte\/Ende der 2030er Jahre erreicht werden. Die Bundesregierung wollte sich aber eigentlich bis 2050 Zeit lassen. Fridays for Future und Klimaforscher haben seit Langem darauf hingewiesen, dass das zu sp\u00e4t ist. Mich hat oft \u00fcberrascht, wie wenig \u00d6konom*innen ambitioniertere Ziele eingefordert haben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Das Bundesverfassungsgericht hat nun im April festgestellt, dass das deutsche Klimaschutzgesetz teilweise unvereinbar mit dem Grundgesetz ist\u2026<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Ja, und interessanterweise hat das Bundesverfassungsgesetz den Beschluss, dass die Emissionen schneller gesenkt werden m\u00fcssen, unter Verweis auf den Freiheitsbegriff begr\u00fcndet: Wenn wir nicht schneller unsere Lebens- und Produktionsweise \u00e4ndern, bedeutet das eine umfassende Freiheitsgef\u00e4hrdung in der Zukunft. Das ist schon ein Paradigmenwechsel in der Debatte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE:<\/strong> Die bisher beliebteste L\u00f6sung der \u00d6konomen f\u00fcr die Klimakrise: der CO2-Preis. Wo ist das Problem?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Es gibt, grob gesagt, zwei Wege, die CO2-Emissionen zu senken: sauberer produzieren oder weniger produzieren. Der CO2-Preis soll den ersten Weg erm\u00f6glichen. Durch die Besteuerung sollen Unternehmen und Verbraucher dazu gebracht werden, CO2-intensive Produktionsweisen und Konsumstile aufzugeben, aber im Gro\u00dfen und Ganzen soll unsere auf Wachstum ausgerichtete Wirtschaftsweise unangetastet bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>ZEIT ONLINE: <\/strong>Die Monetarisierung externer Effekte gilt in der Neoklassik als K\u00f6nigsweg \u2013 wo ist sie sinnvoll? Was ist daran falsch?<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Van Treeck: <\/strong>Neben der Bepreisung von CO2 ist es n\u00f6tig, \u00fcber erg\u00e4nzende Bausteine in einer Gesamtstrategie st\u00e4rker zu diskutieren: Das w\u00e4re zum einen eine \u00f6ffentliche Investitionsoffensive, die eine Reform der Schuldenbremse n\u00f6tig macht. &#8230;.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><span class=\"ez-toc-section\" id=\"Klimawandel_Interview-Serie_Ecologisch\"><\/span>Klimawandel: Interview-Serie Ecologisch<span class=\"ez-toc-section-end\"><\/span><\/h2>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2021-06\/dennis-snower-wettbewerb-oekonomie-klimawandel-marktwirtschaft-materialismus\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Dennis Snower \u00fcber Wettbewerb: &#8220;Wir leben in einer gro\u00dfen, M\u00fcll produzierenden Illusion&#8221; <\/a><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/unternehmen\/2021-06\/monika-schnitzer-klimaschutz-innovationen-wirtschaft-unternehmen-klimakrise-wirtschaftsforschung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Monika Schnitzer \u00fcber Innovation: &#8220;Wir m\u00fcssen anders planen, bauen und wohnen&#8221; <\/a><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2021-05\/klimagerechtigkeit-krise-gleichheit-generationen-kohle-co2-marcel-fratzscher\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Marcel Fratzscher \u00fcber Gerechtigkeit: &#8220;Klimaschutz ist zu sehr ein Projekt der Eliten&#8221; <\/a><a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/serie\/ecologisch\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Weitere Beitr\u00e4ge<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Tip von Ingo<\/p>\n<div id=\"ez-toc-container\" class=\"ez-toc-v2_0_71 counter-hierarchy ez-toc-counter ez-toc-transparent ez-toc-container-direction\">\n<p class=\"ez-toc-title\" style=\"cursor:inherit\">Inhalte dieser Seite :<\/p>\n<label for=\"ez-toc-cssicon-toggle-item-69e09907a1516\" class=\"ez-toc-cssicon-toggle-label\"><span class=\"\"><span class=\"eztoc-hide\" style=\"display:none;\">Toggle<\/span><span class=\"ez-toc-icon-toggle-span\"><svg style=\"fill: #999;color:#999\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" class=\"list-377408\" width=\"20px\" height=\"20px\" viewBox=\"0 0 24 24\" fill=\"none\"><path d=\"M6 6H4v2h2V6zm14 0H8v2h12V6zM4 11h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2zM4 16h2v2H4v-2zm16 0H8v2h12v-2z\" fill=\"currentColor\"><\/path><\/svg><svg style=\"fill: #999;color:#999\" class=\"arrow-unsorted-368013\" xmlns=\"http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg\" width=\"10px\" height=\"10px\" viewBox=\"0 0 24 24\" version=\"1.2\" baseProfile=\"tiny\"><path d=\"M18.2 9.3l-6.2-6.3-6.2 6.3c-.2.2-.3.4-.3.7s.1.5.3.7c.2.2.4.3.7.3h11c.3 0 .5-.1.7-.3.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7zM5.8 14.7l6.2 6.3 6.2-6.3c.2-.2.3-.5.3-.7s-.1-.5-.3-.7c-.2-.2-.4-.3-.7-.3h-11c-.3 0-.5.1-.7.3-.2.2-.3.5-.3.7s.1.5.3.7z\"\/><\/svg><\/span><\/span><\/label><input type=\"checkbox\"  id=\"ez-toc-cssicon-toggle-item-69e09907a1516\" checked aria-label=\"Toggle\" \/><nav><ul class='ez-toc-list ez-toc-list-level-1 ' ><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-1\" href=\"https:\/\/work.boklima.de\/?p=8551\/#%E2%80%9CMan_kann_nicht_ganz_Deutschland_mit_Eigenheimen_zubauen%E2%80%9D_%E2%80%93_Seite_1\" title=\"&#8220;Man kann nicht ganz Deutschland mit Eigenheimen zubauen&#8221; \u2013 Seite 1\">&#8220;Man kann nicht ganz Deutschland mit Eigenheimen zubauen&#8221; \u2013 Seite 1<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-2\" href=\"https:\/\/work.boklima.de\/?p=8551\/#%E2%80%9CEs_koennen_im_Prinzip_alle_SUV_fahren%E2%80%9D\" title=\"&#8220;Es k\u00f6nnen im Prinzip alle SUV fahren&#8221;\">&#8220;Es k\u00f6nnen im Prinzip alle SUV fahren&#8221;<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-3\" href=\"https:\/\/work.boklima.de\/?p=8551\/#%E2%80%9CEs_gibt_zwei_Wege_die_CO2-Emissionen_zu_senken%E2%80%9D\" title=\"&#8220;Es gibt zwei Wege, die CO2-Emissionen zu senken&#8221;\">&#8220;Es gibt zwei Wege, die CO2-Emissionen zu senken&#8221;<\/a><\/li><li class='ez-toc-page-1 ez-toc-heading-level-2'><a class=\"ez-toc-link ez-toc-heading-4\" href=\"https:\/\/work.boklima.de\/?p=8551\/#Klimawandel_Interview-Serie_Ecologisch\" title=\"Klimawandel: Interview-Serie Ecologisch\">Klimawandel: Interview-Serie Ecologisch<\/a><\/li><\/ul><\/nav><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(12.06.21 , zeit.de , Original : hier ) Viele Menschen f\u00fchlen sich nicht frei genug, um auf Konsum zugunsten von Freizeit zu verzichten, sagt der \u00d6konom Till van Treeck. Muss man Freiheit neu definieren? Interview: Petra Pinzler\u00a0\u2022 Illustration: Annick Ehmann Till van Treeck ist Professor und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrender Direktor des Instituts f\u00fcr Sozio\u00f6konomie an der Universit\u00e4t [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[157,104],"tags":[],"class_list":["post-8551","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-relevant-klimanews","category-oeffentlich-fuer-alle-site-besucher-lesbar"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/work.boklima.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8551","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/work.boklima.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/work.boklima.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/work.boklima.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/work.boklima.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8551"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/work.boklima.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8551\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8552,"href":"https:\/\/work.boklima.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8551\/revisions\/8552"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/work.boklima.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8551"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/work.boklima.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8551"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/work.boklima.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8551"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}