{"id":8147,"date":"2021-04-19T13:39:11","date_gmt":"2021-04-19T11:39:11","guid":{"rendered":"https:\/\/boklima.de\/?p=8147"},"modified":"2021-04-19T13:39:12","modified_gmt":"2021-04-19T11:39:12","slug":"taz-artikel-zur-studie-societal-transformation-scenario-massnahmen-gegen-die-klimakrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/work.boklima.de\/?p=8147","title":{"rendered":"Taz-Artikel zur Studie :  \u201eSocietal Transformation Scenario\u201c, Ma\u00dfnahmen gegen die Klimakrise"},"content":{"rendered":"\n<p>( 19.04.21 Original bei taz.de : <a href=\"https:\/\/www.taz.de\/!5762016\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">hier<\/a> , von von Bernhard P\u00f6tter)<\/p>\n\n\n\n<p>( Studien Link bei BoKlima.de : <a href=\"https:\/\/work.boklima.de\/?p=8144\">hier<\/a> ) <\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Ma\u00dfnahmen gegen die Klimakrise: Ein Flug alle drei Jahre<\/h1>\n\n\n\n<p>Ab Montag ber\u00e4t der Weltklimarat IPCC \u00fcber seinen n\u00e4chsten Bericht. Zum ersten Mal wird jetzt auch \u00fcber Verzicht f\u00fcr die Reichen debattiert.<a href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/4806228\/948\/27240505-1.jpeg\"><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend Menschen in Industriestaaten seltener abheben sollen, d\u00fcrfen Fl\u00fcge im S\u00fcden zunehmen Foto: Damon Coulter\/Mauritius<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Rettung des Weltklimas klingen drastisch: Bis 2050 sinkt der Autoverkehr in den St\u00e4dten der Industriel\u00e4nder um 81 Prozent; der Wohnraum schrumpft pro Einwohner um 25 Prozent; die Zahl von elektrischen Ger\u00e4ten wie Waschmaschinen wird halbiert; der Fleischkonsum geht schon bis 2030 um 60 Prozent zur\u00fcck. Und in ein Flugzeug steigen die B\u00fcrgerInnen eines Industrielandes nur noch alle drei Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Verzichtsszenario ist der Kern einer umfassenden Studie, wie das Ziel erreicht werden kann, die Erderw\u00e4rmung bis 2100 unter 1,5 Grad zu halten \u2013 und zwar nicht mit Wirtschaftswachstum und neuer Technik, sondern durch Verhaltens\u00e4nderungen und staatliche Ver- und Gebote. Errechnet wurde das <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.boell.de\/de\/2020\/12\/09\/societal-transformation-scenario-staying-below-15degc\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eSocietal Transformation Scenario\u201c (STS) vom Thinktank \u201eKonzeptwerk Neue \u00d6konomie\u201c im Auftrag der Gr\u00fcnen-nahen Heinrich-B\u00f6ll-Stiftung.<\/a>  &#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Mit gutem Grund. <strong>Denn das 90-seitige Konzept stellt sich quer zu fast allen anderen bislang debattierten Auswegen aus der Klimafalle<\/strong>. \u00dcber diese Modelle ber\u00e4t die zust\u00e4ndige Arbeitsgruppe III des Weltklimarats IPCC <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.ipcc.ch\/assessment-report\/ar6\/\" rel=\"noreferrer noopener\">ab Montag wieder, um den 6. Sachstandsbericht des Expertengremiums vorzubereiten<\/a> . Es k\u00f6nnte im anstehenden Wahlkampf in Deutschland und in der Klimadebatte f\u00fcr heftige Debatten sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denn das \u201eSzenario f\u00fcr einen Umbau der Gesellschaft\u201c fordert etwas ganz anderes als bislang die meisten IPCC-Modelle, die auf mehr Windkraftanlagen, E-Mobile, besser ged\u00e4mmte Geb\u00e4ude und den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft setzen: <\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Das neue Szenario lehnt ewiges Wirtschaftswachstum ab<\/em><\/strong>. <br>Es will weniger produzieren und konsumieren, k\u00fcrzere Arbeitszeiten, Entschleunigung, einen Umbau des Steuersystems. <br><em>\u201eDie \u00f6konomische Aktivit\u00e4t zu reduzieren, um die Nachfrage nach energieintensiven Dienstleistungen und Produkten zu verringern, ist eine effektive und viel sicherere Art, die Emissionen zu reduzieren, als viele technologische Optionen\u201c<\/em>, hei\u00dft es in dem Papier.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit b\u00fcrsten die AutorInnen die aktuellen \u00f6konomischen Modelle f\u00fcr eine klimaneutrale Wirtschaft gegen den Strich. Denn bisher kalkulieren die allermeisten <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.carbonbrief.org\/qa-how-integrated-assessment-models-are-used-to-study-climate-change\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eIntegrated Assessement Models\u201c (IAM), mit denen das IPCC arbeitet<\/a>, ein regelm\u00e4\u00dfiges Wirtschaftswachstum ein. Umweltsch\u00e4den in der Zukunft werden demnach \u201ediskontiert\u201c, das bedeutet, mit k\u00fcnftigem Reichtum aus dem Wachstum bezahlt.<\/p>\n\n\n\n<p>Technologischer Fortschritt f\u00fchrt in dieser Sichtweise dazu, dass Wachstum und CO<sub>2<\/sub>-Emissionen zu \u201eentkoppeln\u201c sind \u2013 gr\u00fcnes Wachstum ohne Klimasch\u00e4den also m\u00f6glich ist. Hauptmotiv der IAMs ist demnach: der bestm\u00f6gliche Klimaschutz zum volkswirtschaftlich geringsten Preis \u2013 die \u00f6konomisch billigste Variante zur Rettung des Klimas.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Vor allem stellt das B\u00f6ll-Szenario heraus, wie gro\u00df der Einfluss von Politik und Konsumenten auf die Emissionen ist: Bisher werde \u201edas Potenzial von fundamentalen gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen vernachl\u00e4ssigt\u201c. <em>Das \u201egute Leben f\u00fcr alle\u201c sei mit weniger Produktion und Konsum m\u00f6glich. <\/em>Daf\u00fcr m\u00fcssten aber vor allem die Industriel\u00e4nder zur\u00fcckstecken: Weil gr\u00f6\u00dftenteils sie historisch mit ihren Emissionen das Klima ver\u00e4ndert haben, <br>&#8230;.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Konkret<\/strong>: W\u00e4hrend im Globalen Norden nach diesem Szenario das Verkehrsaufkommen auf den Stand von 1990 sinken muss, steigt es im S\u00fcden bis zu diesem Wert; der Wohnraum n\u00e4hert sich dem Wert in den reichen L\u00e4ndern an, der Fleischkonsum, die Ausstattung mit Haushaltsger\u00e4ten und der Kalorienverbrach bleiben gleich. Menschen aus dem Globalen S\u00fcden d\u00fcrfen alle zwei Jahre fliegen \u2013 auch weil die Gefahren des Klimawandels zu erh\u00f6hter Mobilit\u00e4t f\u00fchren k\u00f6nnten, hei\u00dft es. <em>\u201eWir nehmen einen kulturellen Wandel an, nach dem Fliegen wieder etwas Ungew\u00f6hnliches wird.\u201c<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie setzt ebenfalls auf technischen Fortschritt und gibt einzelne Beispiele f\u00fcr ihre Annahmen, dass Menschen anders wohnen, reisen, produzieren und essen k\u00f6nnen und wollen. Es gehe um einen grunds\u00e4tzlichen Umbau weg vom derzeitigen Kapitalismus: Statt auf \u201ematerielles Wohlergehen mit Wachstum, Wettbewerb und Profiten\u201c m\u00fcsse der Fokus darauf liegen, \u201ekonkrete menschliche Bed\u00fcrfnisse zu erf\u00fcllen und dem allgemeinen Wohlergehen zu dienen, Kooperation, Sorge, Solidarit\u00e4t und Nachhaltigkeit voranzubringen\u201c. Das gehe aber nicht als \u00d6ko-Diktatur: \u201eDieser Umbau sollte nicht erscheinen als das Resultat irgendeines Masterplans, der von oben aufgesetzt wird, er wird von unten entwickelt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Schwierige Arbeit am neuen IPCC-Klimabericht<\/h2>\n\n\n\n<p><strong>Der Hintergrund der Studie:<\/strong> Die B\u00f6ll-Studie trifft eine offene Flanke beim UN-Klimarat IPCC. Dort sitzen derzeit Hunderte von WissenschaftlerInnen \u00fcber dem 6. Sachstandsbericht, der 2022 erscheinen soll. Obwohl die Coronapandemie auch hier die Arbeiten verz\u00f6gert, sollen noch in diesem Jahr die ersten Kapitel der Arbeitsgruppe I (Physikalische Grundlagen) fertig sein. Die Berichte der Arbeitsgruppen II (Anpassung und Verwundbarkeit) und III (Emissionsminderung und Gegenma\u00dfnahmen) sollen 2022 vorliegen. Die AutorInnen fassen dabei den aktuellen Stand des Wissens zusammen, indem sie wissenschaftliche Aufs\u00e4tze und Forschungsberichte auswerten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Zeitplan:<\/strong> Von Montag bis Freitag beraten in der AG III die 280 AutorInnen aus 70 L\u00e4ndern mit Italien als virtuellem Gastgeber den letzten Entwurf und die \u201eZusammenfassung f\u00fcr Entscheidungstr\u00e4ger\u201c, die am Ende des Prozesses mit den 195 teilnehmenden Regierungen abgestimmt werden muss. Sie arbeiten sich durch mehr als 30.000 Kommentare von 850 Regierungen und Beobachtern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ziele:<\/strong> Die Arbeitsgruppe III macht im IPCC die spannendste und umstrittenste Arbeit. Sie bewertet Klimaschutzoptionen in Feldern wie Energie, Landwirtschaft, Industrie, Verkehr und Geb\u00e4uden. Bisher rechnet sie fast ausschlie\u00dflich mit \u201eneoklassichen\u201c \u00f6konomischen Modellen, die auf Wachstum und Technik setzen. \u00dcber Jahre hinweg haben diese Modelle gezeigt, dass fr\u00fchzeitiger Klimaschutz wirtschaftlich rentabler ist, als sp\u00e4ter die Sch\u00e4den zu reparieren. \u201eEs kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten\u201c, war einer der Slogans nach dem 5. IPCC-Bericht von 2014.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Ver\u00e4nderung:<\/strong> Zum ersten Mal betrachtet der Bericht nun auch die Rolle, die Innovation und Technologie beim globalen Klimaschutz spielen kann. Aber auch die umstrittenen Bereiche Konsum und Verhalten der Menschen werden beleuchtet \u2013 eine Premiere, auf die das \u201eTransformationsszenario\u201c gut passt. Allerdings ist fraglich, welchen Einfluss diese Arbeit auf die Arbeit der AG III haben wird \u2013 der Zeitpunkt zur Einreichung von wissenschaftlichen Arbeiten ist verstrichen. Und das \u201eSzenario\u201c entspricht bisher auch nicht den IPCC-Anspr\u00fcchen an wissenschaftliches Publizieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Wirkung:<\/strong> Das provokative Gutachten der Gr\u00fcnen-nahen B\u00f6ll-Stiftung k\u00f6nnte auch im deutschen Wahlkampf noch Aufregung verursachen. Denn die Gr\u00fcnen, die sich nach stabilen Umfragen darauf vorbereiten, ab n\u00e4chstem Jahr in der Bundesregierung zu sitzen, sehen sich immer wieder mit Angriffen konfrontiert, Verbots- und Verzichtspartei zu sein.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>( Info von Holger )<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>( 19.04.21 Original bei taz.de : hier , von von Bernhard P\u00f6tter) ( Studien Link bei BoKlima.de : hier ) Ma\u00dfnahmen gegen die Klimakrise: Ein Flug alle drei Jahre Ab Montag ber\u00e4t der Weltklimarat IPCC \u00fcber seinen n\u00e4chsten Bericht. 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