{"id":6854,"date":"2020-12-06T14:50:31","date_gmt":"2020-12-06T13:50:31","guid":{"rendered":"https:\/\/boklima.de\/?p=6854"},"modified":"2020-12-06T14:51:15","modified_gmt":"2020-12-06T13:51:15","slug":"hitze-wird-zum-globalen-gesundheitsproblem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/work.boklima.de\/?p=6854","title":{"rendered":"Hitze wird zum globalen Gesundheitsproblem"},"content":{"rendered":"\n<p>Der diesj\u00e4hrige \u201eLancet Report\u201c zieht ein ern\u00fcchterndes Zwischenfazit nach f\u00fcnf Jahren Pariser Klimaabkommen. Hitzewellen und andere extreme Wetterereignisse nehmen aufgrund des Klimawandels rasant zu. Mit verheerenden Folgen f\u00fcr die globale Gesundheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Die derzeitige Erderw\u00e4rmung deutet nicht nur auf einen m\u00f6glicherweise irreversiblen Klimawandel \u2013 mit all seinen verheerende Folgen \u2013 hin, sie ist bereits heute ein Gefahr f\u00fcr die Gesundheit vieler Menschen. So hatten die Rekordsommer der vergangenen Jahre teils dramatische Auswirkungen. <strong>Die mit Hitze verbundene Mortalit\u00e4t bei Menschen \u00fcber 65 Jahren ist in den letzten 20 Jahren um 53,7 Prozent gestiegen.<\/strong>&nbsp;Die drittmeisten Hitzetoten in dieser Altersgruppe hatte dabei im Jahr 2018 Deutschland zu verzeichnen (nach China und Indien). Insgesamt starben 2018 weltweit 296.000 Menschen durch extreme Hitze.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.thelancet.com\/countdown-health-climate\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Die Zahlen stammen aus dem diesj\u00e4hrigen \u201eLancet Countdown on health and climate change\u201c der heute im Laufe des Tages ver\u00f6ffentlicht wird.<\/a>\u00a0Der Bericht untersucht die Folgen und Zusammenh\u00e4nge zwischen Klimawandel und globaler Gesundheit. Dahinter steht die Grundannahme, dass Klimawandel und Gesundheitsrisiken zwei Ph\u00e4nomene sind, die sich nicht trennen lassen. Sie bedingen sich, teils verst\u00e4rken sie sich gegenseitig. Konzeptionell wird dieser Gedanke unter anderem durch den Begriff \u201ePlanetary Health\u201c zum Ausdruck gebracht. \u201eEs ist wichtig, dass wir verstehen, dass Klimawandel unsere Gesundheit und unsere Existenz bedroht. Das System Erde ist bedroht und somit auch das System Mensch\u201c, sagt etwa Claudia Traidl-Hoffmann, Professorin f\u00fcr Umweltmedizin an der TU M\u00fcnchen sowie am Helmholtz Zentrum M\u00fcnchen &#8211; Deutsches Forschungszentrum f\u00fcr Gesundheit und Umwelt, w\u00e4hrend eines virtuellen Pressebriefings zu den Ergebnissen des \u201eLancet Reports\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alle Klima-Indikatoren haben sich verschlechtert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den diesj\u00e4hrigen Bericht wurden 43 Indikatoren zu den Auswirkungen des Klimawandels, zur Anpassung, Planung und Resilienz der Gesundheit, zu Klimaschutzma\u00dfnahmen und gesundheitlichen Co-Benefits, zu Wirtschaft und Finanzen sowie zum \u00f6ffentlichen und politischen Engagement untersucht. Ergebnis: S\u00e4mtliche Indikatoren, welche der Report zu den Auswirkungen des Klimawandels analysiert hat, haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert \u2013 und weitreichende Konsequenzen f\u00fcr die globale Gesundheit nach sich gezogen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein besonderer Fokus wird dabei in diesem Jahr auf den Risikofaktor der extremen Wetterereignisse gelegt. Vulnerable Bev\u00f6lkerungsgruppen seien in den vergangenen Jahren weltweit zus\u00e4tzlichen 475 Millionen Hitzewellenereignissen ausgesetzt gewesen, was sich wiederum in einer h\u00f6heren Morbidit\u00e4t und Mortalit\u00e4t niederschlug. Dar\u00fcber hinaus haben die steigenden Temperaturen und die Zunahme extremer Wetterereignisse auch unmittelbare Konsequenzen f\u00fcr die Gesundheit. Der m\u00f6gliche Ertrag der wichtigsten Feldfr\u00fcchte sei zwischen 1981 und 2019 um 1,8 bis 5,6 Prozent gesunken. <strong>F\u00fcr die \u00dcbertragung von Infektionskrankheiten h\u00e4tten sich die klimatischen Bedingungen seit den 1950er Jahren rapide verbessert \u2013 im Jahr 2018 allein f\u00fcr das Dengue Fiebers um 15 Prozent.<\/strong> Zwischen 145 und 565 Millionen Menschen seien au\u00dferdem in Zukunft von \u00dcberschwemmungen durch das Abschmelzen gro\u00dfer Eisfl\u00e4chen und dem daraus resultierenden Anstieg des Meeresspiegels bedroht. Auch die Wirtschaft leide unter Hitzewellen. 2019 seien dadurch mehr als 302 Milliarden Stunden potenzieller Arbeitskraft eingeb\u00fc\u00dft worden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kampf gegen Klimawandel und Corona-Epidemie verbinden<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/nl.tagesspiegel.de\/r.html?uid=D.B.Cmm4.qYy.B0Kjw.A.eivl-_hSQEXGKrHvvuCN9VS9TT_yGwaVUxwgob9GqIN5skHtTWqoWkGc5NbENEA6jtqKUoLMQtPaVUFZYjd6uw\" rel=\"noreferrer noopener\">Der \u201eLancet Report\u201c erscheint in diesem Jahr zum vierten Mal.<\/a> Er wurde von der Zeitschrift The Lancet, eine der einflussreichsten Zeitschriften im medizinischen Bereich, initiiert und vom Wellcome Trust gef\u00f6rdert. F\u00fcr den Bericht haben zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus \u00fcber 35 akademischen Organisationen zusammengearbeitet. Aus Deutschland waren an dem Bericht das Center for Energy Markets der TU M\u00fcnchen sowie das Data Science Lab der Hertie School Berlin beteiligt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Autorinnen und Autoren fordern, den Kampf gegen den Klimawandel in den kommenden f\u00fcnf Jahren deutlich zu intensivieren und auch mit der Bek\u00e4mpfung der aktuellen Corona-Pandemie zu verkn\u00fcpfen. <strong>\u201eViele der Schritte zur Vorbereitung auf unerwartete Krisen wie eine Pandemie \u00e4hneln denen, die erforderlich sind, um sich an die extremen Wetterbedingungen und neuen Bedrohungen anzupassen, die mit dem Klimawandel einhergehen\u201c, hei\u00dft in der Zusammenfassung des Reports. <\/strong>\u201eDazu geh\u00f6rt die Notwendigkeit, vulnerable Bev\u00f6lkerungsgruppen zu identifizieren, die Kapazit\u00e4t der \u00f6ffentlichen Gesundheitssysteme zu bewerten, Vorsorgema\u00dfnahmen zu entwickeln und in diese zu investieren sowie die Notwendigkeit einer widerstandsf\u00e4higen und gerechten Gemeinschaft zu betonen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Anlass, die Klimaziele neu zu justieren, k\u00f6nnte auch das Pariser Klimaabkommen bieten, das sich am 12. Dezember 2020 zum f\u00fcnften Mal j\u00e4hrt. In dem Abkommen ist festgelegt, dass die Staaten alle f\u00fcnf Jahre ihr Ma\u00dfnahmen evaluieren und gegebenenfalls aktualisieren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hohes Potenzial bei der Entwicklung des urbanen Raums<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Konkrete Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die einzeln Nationen werden in Zusammenhang mit dem \u201eLancet Report\u201c in sogenannten Policy Briefs vorgeschlagen. F\u00fcr Deutschland werden diese von der Charit\u00e9, der Bundes\u00e4rztekammer, dem Helmholtz-Zentrum sowie dem Potsdam-Institut f\u00fcr Klimaforschung ausgesprochen. Koordiniert wurde die Erarbeitung von der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit. Ein Schwerpunkt des Policy Briefs f\u00fcr Deutschland liegt dabei auf dem urbanen Raum. <strong>Da in Deutschland 75 Prozent der Menschen in St\u00e4dten lebten und diese weltweit gesehen f\u00fcr 70 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich seien, sei die Entwicklung nachhaltiger und resilienter St\u00e4dte eine besonders effektive Ma\u00dfnahme.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Auch Claudia Traidl-Hoffmann vom Helmholtz-Zentrum M\u00fcnchen sieht hierin ein \u201eenormes Potenzial, um sowohl etwas f\u00fcr die Gesundheit als auch gegen den Klimawandel zu tun\u201c. Daf\u00fcr brauche es allerdings mehr Transdisziplinarit\u00e4t, so die \u00c4rztin. So fordert sie, das Thema Klimawandel in das Curriculum des Medizinstudiums aufzunehmen. Andersherum sei es in der Stadtplanung wichtig, auch \u00f6fter Stimmen aus dem Gesundheitswesen einzubeziehen. Als ein Beispiel, warum das so wichtig sei, nannte Traidl-Hoffmann die Bepflanzung des Potsdamer Platzes in Berlin mit zahlreichen Birken. Das sei zwar gut f\u00fcr das Klima, gleichzeitig seien die B\u00e4ume aber auch sehr starke Allergieausl\u00f6ser. Solche Zielkonflikte m\u00fcssten sichtbar gemacht werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kommunen m\u00fcssen Verantwortung \u00fcbernehmen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Laut dem Policy Brief f\u00fcr Deutschland haben f\u00fcnf von sieben St\u00e4dten, die eine Folgeabsch\u00e4tzung gesundheitlicher Auswirkungen klimabedingter Risiken abgeschlossen haben, extreme Hitze als Hauptrisiko identifiziert. Dem k\u00f6nne man durch eine Stadtplanung entgegensteuern, die auf gr\u00fcne Infrastruktur (Parks, Gr\u00fcnanlagen) setzt, gleichzeitig k\u00f6nnte eine solche diversifizierte Raumnutzung zum Zu-Fu\u00df-Gehen und Radfahren animieren. Letzteres w\u00fcrde sowohl die Gesundheit f\u00f6rdern als auch die Umwelt schonen, was sich nochmals positiv auf die Gesundheit auswirken w\u00fcrde.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Von den M\u00fchen bei der Umsetzung klimaschonender Ma\u00dfnahmen berichtete Michael Kopatz vom Wuppertal Institut f\u00fcr Klima, Umwelt, Energie. \u201eAlle finden Klimaschutz sehr wichtig, aber der Raumw\u00e4rmebedarf, der Heizaufwand, geht nicht zur\u00fcck in Deutschland\u201c, sagte Kopatz, der au\u00dferdem Stadtrat f\u00fcr die Gr\u00fcnen in Osnabr\u00fcck ist. \u201eEr ist sogar jetzt leicht zunehmend, weil alle St\u00e4dte st\u00e4ndig neu bauen, auch solche St\u00e4dte, deren Einwohnerzahl schrumpft.\u201c Er forderte von der Kommunalpolitik mehr Verantwortung bei diesem Thema zu \u00fcbernehmen. \u201e<strong>H\u00e4ufig wird auf den Bund verwiesen und die Verantwortung dort, aber hier kann die Kommune sehr viel gestalten. Auch die Entscheidung dar\u00fcber, ob man einen neuen Gewerbepark ausweist oder Neubaugebiete in schrumpfenden St\u00e4dten, das haben die Stadtv\u00e4ter und Stadtm\u00fctter selber in der Hand.\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Neben der Entwicklung resilienter St\u00e4dte sehen die Autorinnen und Autoren des Policy Briefs in der F\u00f6rderung einer gesunden und nachhaltigen Ern\u00e4hrungsweise ein weiteres Thema, bei dem gleichzeitig das Klima gesch\u00fctzt als auch die Gesundheit gef\u00f6rdert werden kann. Einseitige Ern\u00e4hrung sei eines der wichtigsten Risikofaktoren f\u00fcr Krankheiten und vorzeitigen Tod. Gleichzeitig sei die Nahrungsmittelproduktion f\u00fcr etwa ein Viertel der Treibhausgasemission verantwortlich.<\/p>\n\n\n\n<p>( aus tagesspiegel.de  news ) <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der diesj\u00e4hrige \u201eLancet Report\u201c zieht ein ern\u00fcchterndes Zwischenfazit nach f\u00fcnf Jahren Pariser Klimaabkommen. 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