{"id":6632,"date":"2020-10-15T09:20:36","date_gmt":"2020-10-15T07:20:36","guid":{"rendered":"https:\/\/boklima.de\/?p=6632"},"modified":"2020-10-30T12:09:42","modified_gmt":"2020-10-30T11:09:42","slug":"6632","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/work.boklima.de\/?p=6632","title":{"rendered":"Studie zu deutschen CO2-Emissionen: Letzte Chance f\u00fcrs 1,5-Grad-Ziel"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Damit Deutschland bis 2035 CO2-neutral wird, fordert Fridays for Future drastische Ma\u00dfnahmen. Auch die IEA legt erstmals ein Null-CO2-Szenario vor.<a href=\"https:\/\/taz.de\/picture\/4432923\/948\/FridaysforFuture-Klimastreik-1.jpeg\"><\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>BERLIN <em>taz<\/em> | Der Ort f\u00fcr die Pr\u00e4sentation war gut gew\u00e4hlt: Im Berliner Martin-Gropius-Bau wird gerade eine Ausstellung der nigerianischen K\u00fcnstlerin Otobong Nkanga gezeigt. Deren Titel: \u201eSo etwas wie festen Boden gibt es nicht.\u201c \u00c4hnlich klingt das Fazit der Klimasch\u00fctzerInnen von <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Erfolgsbilanz-von-Fridays-for-Future\/!5714252\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Fridays for Future<\/a>, wenn es um Deutschlands Beitrag zur Eind\u00e4mmung der Erderhitzung auf 1,5 Grad geht. \u201eWeder die Bundesregierung noch die Parteien haben einen Plan zur Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels\u201c, sagte FFF-Sprecherin Carla Reemtsma am Dienstag. \u201eNiemand macht \u00fcberhaupt diesen Versuch.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Den unternehmen die AktivistInnen nun selbst. Beim Thinktank Wuppertal Institut haben sie die Studie <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/wupperinst.org\/a\/wi\/a\/s\/ad\/5169\/\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eCO<sub>2<\/sub>-neutral bis 2035: Eckpunkte eines deutschen Beitrags zur Einhaltung der 1,5-Grenze\u201c<\/a> in Auftrag gegeben. Finanziert hat das die GLS-Bank mit 30.000 Euro. Und herausgekommen ist der Vorschlag f\u00fcr eine radikale CO<sub>2<\/sub>-Nulldi\u00e4t, der \u201ezwar extrem anspruchsvoll, aber grunds\u00e4tzlich m\u00f6glich\u201c ist, wie es von den AutorInnen hei\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwar haben Bundesregierung und EU beschlossen, bis 2050 klimaneutral zu sein \u2013 also nicht mehr Treibhausgase in die Atmosph\u00e4re zu blasen, als etwa durch W\u00e4lder gebunden werden. Doch FFF reicht das nicht aus: Sie orientieren sich an einer Rechnung des \u201eSachverst\u00e4ndigenrats f\u00fcr Umweltfragen\u201c der Bundesregierung. Dieser hat kalkuliert, dass Deutschland insgesamt nur noch 4.200 Millionen Tonnen CO<sub>2<\/sub> aussto\u00dfen darf, wenn es seinen fairen Beitrag zum 1,5-Grad-Ziel leisten will. Bei etwa 800 Millionen Tonnen CO<sub>2<\/sub>-Emissionen jedes Jahr bleibt nicht viel Zeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Klotzen statt kleckern schl\u00e4gt deshalb das Gutachten vor: Statt wie im Schnitt der letzten Jahre den CO<sub>2<\/sub>-Aussto\u00df pro Jahr um 8 Millionen Tonnen zu reduzieren, m\u00fcssten sie um 60 bis 70 Millionen Tonnen sinken und sich \u201ebinnen der n\u00e4chsten f\u00fcnf bis sechs Jahre etwa halbieren\u201c. Dazu w\u00e4ren drastische Ma\u00dfnahmen n\u00f6tig: etwa ein CO<sub>2<\/sub>-Preis von 180 Euro pro Tonne statt 25 Euro ab 2021 sowie ein Ausbau von Wind- und Solarstromanlagen von 25 bis 30 Gigawatt pro Jahr, dreimal so schnell wie geplant. Zudem m\u00fcsste fast zehnmal so viel Kapazit\u00e4t f\u00fcr gr\u00fcnen Wasserstoff wie angedacht aufgebaut und der Autoverkehr bis 2035 halbiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ende f\u00fcr Verbrennungsmotoren ab 2035 gefordert<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend etwa selbst CSU-Chef S\u00f6der inzwischen anregt, ab 2035 keine Autos mit Verbrennungsmotor zu verkaufen, wollen die FFF 2035 bereits \u201eeinen Gro\u00dfteil der Pkw-Flotte\u201c aus <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/taz.de\/Neuzulassungen-emissionsaermerer-Autos\/!5712178\/\" rel=\"noreferrer noopener\">Elektroautos<\/a> sehen. Der Forderungskatalog beinhaltet auch, anstatt j\u00e4hrlich ein Prozent aller Geb\u00e4ude k\u00fcnftig viermal so viele energetisch zu sanieren sowie neue Gas- und \u00d6lheizungen in den n\u00e4chsten 5 Jahren zu verbieten. Au\u00dferdem: \u201eBeendigung des innerdeutschen Flugverkehrs.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Studie solle kein Masterplan sein, sondern zeigen, was m\u00f6glich und n\u00f6tig ist, so FFF. Wichtige Fragen werden nur am Rand behandelt: Die zus\u00e4tzlichen Kosten etwa sch\u00e4tzt das Gutachten auf 100 Milliarden Euro j\u00e4hrlich, Verteilungs- und Wachstumsfragen kommen nicht vor. Auch fehlt die Anbindung an die EU-Politik.<\/p>\n\n\n\n<p>Zudem werden die Pro-Kopf-Emissionen Deutschlands ohne die Ber\u00fccksichtigung historischer Emissionen berechnet. Aber das Gutachten solle zeigen: \u201eEs ist m\u00f6glich, in 15 Jahren CO<sub>2<\/sub>-neutral zu werden, es fehlt der politische Wille\u201c, meint Reemtsma. Die AktivistInnen erwarteten von allen Parteien im anstehenden Wahlkampf zum Bundestag, \u201eProgramme vorzulegen, die mit 1,5 Grad kompatibel sind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Unerwartete Hilfe bekommen sie dabei von der Internationalen Energie-Agentur IEA in Paris. Die OECD-Beh\u00f6rde, traditionell ein Fan von \u00d6l, Gas und Kohle, legte am gleichen Tag ihren j\u00e4hrlichen Bericht <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.iea.org\/reports\/world-energy-outlook-2020?utm_campaign=IEA%20newsletters&amp;amp;utm_source=SendGrid&amp;amp;utm_medium=Email\" rel=\"noreferrer noopener\">\u201eWorld Energy Outlook\u201c<\/a> vor \u2013 und f\u00fcgte zum ersten Mal \u00fcberhaupt ein Szenario bei, wie die Welt bis 2050 CO<sub>2<\/sub>-neutral werden k\u00f6nnte. Die ExpertInnen konstatieren durch die Coronapandemie einen \u201eriesigen Schock\u201c f\u00fcr das Energiesystem: Der Energieverbrauch ist 2020 um 5 Prozent eingebrochen, die Emissionen sind um 7 Prozent zur\u00fcckgegangen, Investitionen in die Energieindustrie gar um 18 Prozent. Einziger Gewinner: die Erneuerbaren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>IEA: \u201eDie Welt ist weit davon entfernt, genug zu tun\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Aber um 2050 \u201enetto null\u201c zu erreichen, m\u00fcsse noch viel passieren, erkl\u00e4rte IEA-Chef Fatih Birol: \u201eDie Welt ist weit davon entfernt, genug zu tun, um die Emissionen entscheidend sinken zu lassen.\u201c Birol hatte schon \u00f6fter an appelliert, die Coronahilfen zum Wiederaufbau f\u00fcr eine gr\u00fcnere Wirtschaft zu nutzen. Jetzt warnt seine Beh\u00f6rde, dass mit einem Weiter-so der bisherigen Infrastruktur aus fossilen Kraftwerken, Industrieanlagen und Autos das Klimaziel verfehlt w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die CO<sub>2<\/sub>-Nullnummer in 2050 br\u00e4uchte es \u201edramatische zus\u00e4tzliche Handlungen\u201c in den n\u00e4chsten zehn Jahren: Minus 40 Prozent CO<sub>2<\/sub>-Emissionen bis 2030, der Anteil von Erneuerbaren am Strom m\u00fcsste von knapp 40 auf 75 Prozent steigen, jedes zweite Auto elektrisch fahren statt wie derzeit jedes vierzigste. \u201eUm Nullemissionen zu erreichen, m\u00fcssen Regierungen, Energiekonzerne, Investoren und B\u00fcrger an Bord sein \u2013 und so viel beitragen wie nie zuvor.<\/p>\n\n\n\n<p>( Aus der taz 13.10.20 , siehe <a href=\"https:\/\/taz.de\/Studie-zu-deutschen-CO2-Emissionen\/!5719605\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">hier<\/a> , Vorschlag Holger)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Damit Deutschland bis 2035 CO2-neutral wird, fordert Fridays for Future drastische Ma\u00dfnahmen. 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